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Bund, 11.01.2006
Steuergeld für Flughafen?
Der Regierungsrat beabsichtigt, die Pistenverlängerung im Belpmoos mitzutragen
Erstmals seit gut 20 Jahren will die bernische Regierung ein Ausbauvorhaben des Flughafens Bern-Belp wieder mit Steuergeld mitfinanzieren: die Pistenverlängerung Süd. Die Rede ist von drei Millionen.
Am 4. Dezember 1983 lehnte das Bernervolk im Verhältnis von 2 zu 1 einen 8,9-Millionen-Franken-Kredit für die Modernisierung des Flughafens Bern-Belp ab. Auch gegen Betriebsbeiträge des Kantons sprachen sich die Bürgerinnen und Bürger an diesem Tag aus. Seither muss die Betreiberin des Berner Flughafens ohne Subventionen auskommen. Nach schwierigen Jahren mit dem Rückzug von Gesellschaften wie Swiss und Intersky scheint das Lobbying der Alpar AG und ihr Klagen über mangelnde Anschubfinanzierungen für neue Linien («Bund» vom 27. Dezember) nun gewirkt zu haben: Der Regierungsrat hat das kantonale Amt für Wirtschaft (Beco) damit beauftragt, eine Kreditvorlage zur Unterstützung der Alpar AG auszuarbeiten.
Stärkung des ländlichen Raums
Die «Berner Zeitung» griff dieses Vorhaben der Bernischen Regierung gestern auf und thematisierte damit etwas, was der Regierungsrat eigentlich schon im Oktober bekannt gegeben hatte, was von den Medien aber bisher nicht beachtet wurde. In der «Strategie zur differenzierten Stärkung des ländlichen Raums» hat der Regierungsrat nämlich auf der dreizehnten von 60 Seiten auch vermerkt, dass er für den Flughafen Rahmenbedingungen schaffen will, «die langfristige Partnerschaften mit Fluggesellschaften ermöglichen und damit regelmässige Verbindungen in die wichtigsten Metropolen Europas sicherstellen». Die Rede ist dann auch von Anschubfinanzierung, doch hat sich jetzt offenbar der Regierungsrat entschieden, Steuergeld nur für die Pistenverlängerung bereitzustellen. Von rund drei Millionen Franken ist die Rede im kantonalen Strategiepapier. Noch in diesem Monat will der Regierungsrat laut Adrian Studer, Chef des Beco, spezifisch über diese eigene Kreditvorlage an den Grossen Rat informieren. Voraussichtlich im März kommt sie vors kantonale Parlament. Es ist geplant, dass dannzumal auch über die Initiative «Pro Region – Gleiche Chancen für alle Regionen im Kanton Bern» debattiert wird. Der Regierungsrat versteht den Zustupf an das Pistenverlängerungsprojekt der Alpar AG nämlich auch als Wirtschaftsförderung und als Massnahme zur Stärkung des ländlichen Raums. Die Strategie zur differenzierten Stärkung des ländlichen Raums ist ein indirekter Gegenvorschlag zur erwähnten Initiative Pro Region.
1983 wollte die Alpar AG die Flughafenpiste von 1300 auf 1900 Meter verlängern. Heute ist sie, nach einer ersten Verlängerung im Jahr 2001 nach Norden, 1510 Meter lang. Die Alpar würde nun gern auch im Süden 220 Meter anfügen, so dass eine Gesamtlänge von 1730 Metern resultierte. Die Alpar hat immer gesagt, dass sie mit diesen Verlängerungen nur auf im Jahr 1997 verschärfte Sicherheitsbestimmungen reagieren will. Diese verlangen, grob vereinfacht, dass ein Pilot bei Schwierigkeiten über eine grössere Sicherheitsreserve verfügt. Das Projekt ist bewilligt.
Längere Piste, rentablerer Betrieb
Alpar-Direktor Charles Riesen sagte gestern, die zweite Pistenverlängerung sei nach wie vor nötig – generell könne man sagen, dass heute im europäischen Regionalflugverkehr 50- bis 100-plätzige Maschinen eingesetzt würden. Die Fluggesellschaften bräuchten die verlängerte Piste, um die Maschinen besser auslasten und damit rentabler betreiben zu können. «Doch auch Business-Jets sind unter Umständen auf eine längere Piste angewiesen.» Könnte denn die Alpar AG auch nach Abzug des kantonalen Beitrags die heute auf 5,2 Millionen Franken veranschlagte Pistenverlängerung Süd bezahlen? Riesen: «Dieses Geld müssten wir beschaffen.» Der Rechnungsabschluss 2005 liege noch nicht vor – «wir erwarten aber eine schwarze Null».
«Tower-Café» mit neuem Pächter
Seit vorletztem Winter verfügt der Flughafen Bern-Belp im ehemaligen Kontrollturm über ein spezielles Beizli: das «Tower-Café» in luftiger Höhe und deshalb mit prächtiger Aussicht bei gutem Wetter. Es wird seit Montag neu von Roland Iseli vom Restaurant Fischermätteli in Bern geführt. Die bisherige Pächterin, die Gewerbezentrum Toffen AG, hat es wegen finanzieller Probleme abgegeben. Iseli sagt, er sei vom ersten Blick an fasziniert gewesen von diesem Bistro. Er wird es nun täglich von 8.30 bis 18 Uhr öffnen. Am Abend steht es weiterhin für geschlossene Gesellschaften zur Verfügung.
Derzeit zu ist – einmal mehr – das Flughafenrestaurant mit Hotel. Laut Rudolf Rindlisbacher von der Valiant-Bank, der Besitzerin, will die Airport Catering GmbH aber im Frühling den im letzten Sommer aufgenommenen Betrieb weiterführen. Ausserdem gehe er davon aus, dass er das Gebäude in absehbarer Zeit verkaufen könne. (ry)
Eine Pistenverlängerung für den Flughafen Bern-Belpmoos würde ich begrüssen. So könnten wir für internationale Spiele endlioch ab Bern fliegen und müssten nicht immer via Basel oder Zürich starten. Hervé (Frossard Reisen) hatte ja betont das in Bern kein genügend grosses Flugzeug (welches sich auch führ Ihn rentabel erweisen würde) landen könne, weil die Pisten zu kurz sind.
_________________ For Ever
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