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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 25. August 2005, 08:15 
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Beiträge: 23
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black_panther hat geschrieben:
Ig wot nume gschwing no öppis zu de Hooliganis säge, wasi mau ire Reportage über si gseh ha:

Ir Schwitz wird dr Grundgedanke vo de Hooliganis totau missverstande (wi übrigensou bi de Richtige Skinheads, wo äbe eigentläch nid Usländerfindlech si. Siehe Dok-Film "Skinhead atribout")
Dr Grundgedanke vo de Hooliganis isch ja eigentläch scho di 3. Haubzit, aber offiziell söt da eigentläch gar nimer mitübercho, d.H. si verabrede sich vor oder nachem Spieu irgendwo abgläge vo de normale lüt und hei dert ihri "Schlacht". Di usschritige nach de Spiu womer jez bi GC und bim FCZ erläbt hei, hei nüme fiu mit däm z'tüe. Das isch meh hirnlosi Randale.

Ig wot d'Hooliganis nid schütze, i cha dä grundgedanke ou nid begriffe wo si hei, und ig finge das ganze zimmlech chindisch, aber dr grächtigkeithauber hani das no wöue erwähne.


Stimmt so nicht. Du hast zwar recht das sich einige Hools darauf Konzentrieren nur abseits von Stadien sich zu Boxen (wegen Bullenstress, Stadionverbote, etc.). Dies sind meistens abgemachte Dates für Feld Wald Wiese.

Nun gibts aber auch noch die Jungs die sich Old School betätigen. Das heisst, Stadionboxereien wie früher halt..

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solo berna


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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 08:30 
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Beiträge: 29376
Bund, 29.9.2005


«Es gibt einen wunden Punkt»

Der deutsche Soziologe und Gewaltforscher Gunter A. Pilz spricht unter anderem über die Sicherheit im Rahmen der Fussball-WM 2006
Gunter A. Pilz, Professor am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover, begrüsst den Plan des Schweizer Bundesrats, zur Bekämpfung der Gewalt bei Sportveranstaltungen gesetzliche Grundlagen zu schaffen – abgesehen von der Datenbank.


«Bund»: Über Ostern hatten gewaltsuchende deutsche Fussballfans anlässlich des Testspiels Slowenien - Deutschland in Celje randaliert, zuletzt sorgten sie in der Slowakei für Unruhe. Was kommt auf die Organisatoren der WM 2006 zu?

Gunter A. Pilz: Seitens der deutschen Anhänger wahrscheinlich nichts Beängstigendes, zumindest nicht in den Stadien. In Deutschland existiert seit zehn Jahren das «Nationale Konzept Sport und Sicherheit», in dessen Rahmen alle relevanten Institutionen gemeinsam nach Lösungen suchen. Es handelt sich dabei um eine gute Mischung von Prävention und Repression. Der klassische Hooligan ist zumindest im Westen Deutschlands ein Auslaufmodell.


Weshalb eskalierte die Situation in Celje und in Bratislava?

In den ehemaligen Ostblock-Staaten kommt es immer wieder zu Ausschreitungen, weil die Krawallmacher kaum Repressionen zu befürchten haben. Die Infrastruktur ist schlecht, die Polizei mitunter überfordert. Dennoch wurde in Slowenien das Angebot Deutschlands, für das Länderspiel geschulte Beamte nach Celje zu schicken, abgelehnt. Solche Sicherheitsnischen sind für gewaltsuchende Fans ein gefundenes Fressen.


Wie werden sich die berüchtigten englischen und die holländischen Fans verhalten?

Ähnlich wie die deutschen, man wird kaum Negatives von ihnen hören. Die internationale Zusammenarbeit ermöglicht eine weitreichende Kontrolle der Anhänger. Wesentlich grössere Sorgen bereiten mir die Fans aus Polen.


Weshalb?

Es gibt in Polen zahlreiche Hooligans, die Mafia-ähnlich organisiert sind. Die können mehr oder weniger Schalten und Walten wie sie wollen. Zudem sind sie bestrebt, auf kapitalistischem Gebiet eine Duftmarke zu setzen.


Ist die Sicherheit für normale WM-Match-Besucher gewährleistet?

Ich bin ziemlich sicher, dass in und rund um die Stadien nichts Gravierendes geschehen wird. Es gibt jedoch einen wunden Punkt.


Und der wäre?

Der WM-Slogan lautet «Die Welt zu Gast bei Freunden». Die Gastfreundschaft wird entsprechend gross geschrieben. Auf den grossen Plätzen der WM-Städte werden Grossleinwände aufgestellt, damit auch Leute ohne Eintrittskarte am WM-Fest teilhaben können. Bei diesem «public viewing» ist es nicht möglich, auch nur annähernd gleiche Vorkehrungen zu treffen wie in den Stadien.


Rechnen Sie auf diesen Plätzen mit potenziellen Krawallmachern?

Englischen Angaben zufolge ist es möglich, dass bis zu 80 000 Anhänger mit der Hoffnung nach Deutschland reisen werden, irgendwie zu Karten für die Spiele ihres Teams zu kommen. Gelingt ihnen das nicht, werden sie die Partien in einer Kneipe oder eben auf der Grossleinwand verfolgen. Und da gibts natürlich auch noch Fans aus andern Nationen, die Selbiges im Sinn haben. Die offenen Grenzen verstärken derartigen Personenverkehr. Das werden im Rahmen der EM 2008 auch Österreich und in reduziertem Mass die Schweiz zu spüren bekommen.


Was kann gegen potenzielle Ausschreitungen präventiv unternommen werden?

Wir müssen die Leute unterhalten und schauen, dass sie nach Spielende nicht nur saufen. Ein Open-Air-Konzert nach einer Partie kann die positive Stimmung aufrechterhalten. Gelingt es uns, die ausländischen Fans für uns zu gewinnen, werden wir ein wunderschönes Fussballfest erleben – wie vor Jahresfrist in Portugal.


Die Voraussetzungen sind in Deutschland jedoch anders als auf der iberischen Halbinsel.

Natürlich, der Vergleich hinkt. Portugal liegt nicht im Zentrum von Europa. Zudem reisten viele Fans an die EM, um in Portugal Ferien zu machen. Die wollten nicht riskieren, einen Teil davon hinter Gittern zu verbringen.


Weshalb ist es in den letzten Jahren rund um die erste Bundesliga ruhig geworden?

Das bereits erwähnte «Nationale Konzept für Sport und Sicherheit» hat sich ebenso positiv ausgewirkt wie die Fan-Projekte, die es mittlerweile in jeder grösseren Stadt gibt.


Vor 20 Jahren waren Sie an der Gründung des Fan-Projekts in Hannover beteiligt. Warum entschied man sich damals zu diesem Schritt?

Anfang der 1980er-Jahre begann sich der Hooliganismus in der Bundesrepublik bemerkbar zu machen. Wir wollten unser Projekt bereits 1982 lancieren, fanden bei den Behörden jedoch kein Gehör. Es brauchte drei Jahre später die Katastrophe im Brüsseler Heyselstadion (vor dem Final im Europacup der Meisterklubs zwischen Liverpool und Juventus Turin kamen bei Ausschreitungen 39 Menschen ums Leben/die Red.), ehe das Geld gesprochen wurde.


Wie sieht die Anhängerschaft von Hannover 96 heute aus?

Es gibt noch rund 50 bis 60 Hooligans. Die schwelgen vornehmlich in Nostalgie; der «Schock von Lens» (der französische Polizist Daniel Nivel wurde im Rahmen der WM 1998 Opfer deutscher Hooligans und ist seither schwer behindert/die Red.) hat einiges verändert. Die Zahl der Ultras hingegen nimmt stetig zu. Und unter diesen gibt es nicht wenige, die der Ansicht sind, die Gewalt gehöre zum Fussball.


Sind die Ultras an die Stelle der Hooligans getreten?

Man kann dies so sehen. Die Radikalisierung vieler Ultra-Gruppen ist auch eine Frustreaktion. Die eingefleischten Anhänger vermissen in den neuen Sitzplatz-Arenen die Stimmung, die früher in den Stadien herrschte.


In der zweiten Bundesliga gibt es vor allem im Umfeld von Partien mit Beteiligung von Teams aus dem Osten des Landes immer wieder Ausschreitungen. Ist diese Gewalt ein Erbe der DDR?

Eher die Folge der Wiedervereinigung Deutschlands, deren wirtschaftliche Verlierer die Leute aus den neuen Bundesländern sind. Die Infrastruktur ist in vielen Zweitliga-Stadien veraltet, die Polizei verfügt über weniger Mittel und Routine. Den jugendlichen Hooligans aus dem Osten fehlt es an vernünftigen Perspektiven. Sie wollen jenen im Westen mit ihrem gewalttätigen Auftreten zeigen, dass sie die Besseren sind.


Sind bei diesen jungen Hooligans aus dem Osten rechtsextreme Tendenzen ersichtlich?

Eindeutig, aber nicht wie im Westen verdeckt und in eher intellektueller Hinsicht. Die rechte Gesinnung wird offen skandiert.


Weshalb gibts in den USA, wo vor grossen Kulissen Basketball, Baseball, Eishockey und American Football gespielt wird, kaum Probleme mit Zuschauern?

Da gibts mehrere Gründe. Erstens fehlt die traditionelle Verwurzelung mit den Klubs. Zweitens ist die soziale Schicht, die bei uns die Fussball-Tribünen prägt, aufgrund der hohen Eintrittspreise gar nicht anwesend. Und drittens braucht es in den USA den Freiraum des Stadions nicht, um Gewalt zu erleben und anzuwenden. Diesen finden Sie gleich um die Ecke.

In der Schweiz will der Bundesrat zur Bekämpfung von Gewalt bei Sportveranstaltungen gesetzliche Grundlagen schaffen. Geplant sind eine Hooligan-Datenbank, Rayonverbote, Ausreisebeschränkungen, Meldeauflagen und als Ultima Ratio Polizeigewahrsam.

Das ist der richtige Weg – mit Ausnahme der Datenbank. Deren Nutzen ist gering, das Volumen wird schnell einmal viel zu gross sein, so dass die Überwachungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt werden. Hinzu kommt, dass in diesen Dateien Gewalttäter genauso erfasst werden wie Jugendliche, die gegen das Pyrotechnikverbot verstossen haben. Die deutschen Strafrechtler haben sich im Gewaltgutachten der Bundesregierung zu Recht gegen die Gewalttäterdatei im Sport ausgesprochen.


zur person

Gunter A. Pilz (60) ist Mitglied in den Arbeitsgruppen «Fan und Besucherbetreuungsprogramme WM 2006» des WM-Organisationskomitees und der Stadt Hannover. Seit 1985 begleitet er das Hannoveraner Fan-Projekt. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.


Ultras und Hooligans

Ist von Gewalt im Umfeld des Fussballs die Rede, handelt es sich bei den Akteuren entweder um Ultras (B-Fans) oder Hooligans (C-Fans). Der Unterschied ist primär das mobilisierende Ereignis: Während bei den Ultras der Fussball im Zentrum steht und als Auslöser der Gewalt fungiert, treffen sich die Hooligans mit der Absicht, sich mit gleichgesinnten Anhängern des Gegners zu prügeln. Das Faustgefecht ist wesentlich wichtiger als das Fussballspiel, welches von den Hooligans oft nicht einmal verfolgt wird.

Bei den Ultras handelt es sich um fanatische Anhänger, die ihren Verein immer und überall unterstützen. Neben akkustischem Support wird vor allem mit optischen Hilfsmitteln wie bengalischem Feuer und grossen Fahnen gearbeitet. Ultra-Gruppierungen sind bestens organisiert und strukturiert. Während es im «Ultra-Geburtsland» Italien neutrale, links- und rechtsorientierte Gruppen gibt, verhalten sich die Ultras ansonsten grösstenteils unpolitisch. Nicht von der Ultra-Szene erfasst wurde England, das Ursprungsland des Hooliganismus.
Dieser wird vom deutschen Soziologen Ingo-Felix Meier als «gewalttätige Subkultur, deren innersubkulturell physisch gewalttätiger Aktionismus auf keiner ideologischen oder theoretischen Grundlage basiert» definiert. Hooligan-Gruppen sind kaum organisiert und heterogen zusammengesetzt; die Spanne reicht vom Arzt bis zum Hilfsarbeiter. Hooligans brechen aus ihrem Alltag aus, nutzen die Schlägereien als Ventil zum Dampf ablassen und gehen tags darauf wieder zur Arbeit. Oft werden vor der Gewaltanwendung enthemmende Drogen wie Alkohol und Kokain konsumiert. Aus Angst vor sozialen und wirtschaftlichen Sanktionen, beispielsweise dem Verlust des Arbeitsplatzes, wird auf Anonymität grosser Wert gelegt. (mjs)


Randalieren in der Anonymität

Am 21. Mai verursachten Anhänger des FC Basel im Hardturm-Stadion einen Tribünenbrand; am 14. September wüteten Fans des FC Zürich vor dem Uefa-Cup-Match gegen Bröndby dermassen, dass die Kopenhagener Polizei 115 Personen verhaftete. Diese beiden Ereignisse stachen in den letzten Monaten aus einer Reihe kleinerer Vorfälle heraus. Die Gewaltanwendungen im Umfeld des Schweizer Fussballs haben laut Thomas Helbling in den den letzten Jahren «eindeutig zugenommen, wenn auch schleichend». Der Präsident der Sicherheits- und Fankommission der Swiss Football League hält aber auch fest, «dass wir mit 97 Prozent der Zuschauer null Probleme haben. Es sind höchstens drei Prozent der Fans, die Gewalt suchen.»

Anders als noch vor 15 Jahren gibt es in der Schweiz kaum mehr Hooligans, welche die Stadien als Plattform suchen. Sorgen bereiten vielmehr die wachsenden Gruppen von Ultras, die zwar Farbe und Emotionen in die Fussballarenen bringen, sich aber nicht an die Stadionordnung halten, andere Matchbesucher gefährden und Sachbeschädigungen verursachen. B-Fans seien typischerweise Junge, die Freiheit suchten und sich gegen die Rechtsordnung auflehnten, meint Helbling. «Interessanterweise werden aus den jungen Wilden meistens Lämmer, wenn sie nicht mehr anonym handeln können. Deshalb ist es für die Sicherheit in den Stadien wichtig, dass es gelingt, die Anonymität wegzubringen.»
Doch das ist einfacher gesagt, als getan. Anders als etwa in Grossbritannien, wo die Regierung nach tragischen Vorfällen, die zum Ausschluss der englischen Vereine aus dem Europacup geführt hatten, drastische Gesetze erliess, erhalten die Stadionbetreiber und der Verband von der Polizei hierzulande keine Daten. Das Datenschutzgesetz sei an sich eine gute Sache, sagt Helbling, «aber hier wird es ad absurdum geführt, weil es Leute schützt, die sich rechtswidrig verhalten».
Die Sicherheits- und Fankommission ist deshalb auf die Mitarbeit der Vereine angewiesen, welche ihre Anhänger beobachten und auffällige Fans melden sollen. Weil die Ultras mit Vorliebe in der Fremde wüten, fordert Helbling die Klubs auf, möglichst viele Fanbegleiter an die Auswärtsspiele zu entsenden. Das kann durchaus im Sinn der Vereine sein, weil sie gemäss Reglement für die durch ihre Anhängerschaft verursachten Schäden haften. Die Young Boys halten es laut dem Fanbeauftragten Stefan Stauffiger so, dass auswärts jeweils zwei bis vier Begleiter mit von der Partie sind. «Sie dienen als Ansprechpersonen für die Anhänger sowie den örtlichen Sicherheitsdienst. Zudem markieren sie Präsenz und wirken so beruhigend», meint Stauffiger, «aber es ist nicht unsere Aufgabe, Leute zu verpetzen.» Neue, moderne Stadien helfen, die Problematik Fangewalt etwas zu entschärfen. «Es war sicher einfacher, einen gefährlichen Gegenstand ins Neufeld-Stadion zu schmuggeln als ins Stade de Suisse», sagt Stauffiger.
Trotzdem ist man gesamtschweizerisch weit davon entfernt, das Problem gelöst zu haben, zumal diverse Klubvertreter lieber den Kopf in den Sand stecken, statt sich von den Chaoten zu distanzieren und rigoros gegen sie vorzugehen. Insofern hat Thomas Helbling recht, wenn er sagt, «das geplante Hooliganismus-Gesetz braucht es nicht nur für die EM 2008».

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 09:52 
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Zitat:
Nicht von der Ultra-Szene erfasst wurde England, das Ursprungsland des Hooliganismus.
Dieser wird vom deutschen Soziologen Ingo-Felix Meier als «gewalttätige Subkultur, deren innersubkulturell physisch gewalttätiger Aktionismus auf keiner ideologischen oder theoretischen Grundlage basiert» definiert.

Versteht der zweite Satz jemand? :roll:


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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 10:57 
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nur halb so kompliziert wie's tönt.
heisst einfach, dass die leute, die dieser subkultur angehören, ihren aktionismus (im falle der hooligans also die prügeleien, hier "physisch gewalttätiger aktionismus" genannt) nur innerhalb ihresgleichen ausleben. und es gibt keine ideologie, der sich alle hools verpflichtet fühlen.


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 Beitrag Verfasst: Dienstag 16. Mai 2006, 08:44 
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Bund, 16.05.2006

«Keine Gefahr für die EM»

Ein Berner Hooligan von den East Side Supporters gibt Einblick in die Szene der prügelnden Fussballfans
Die Krawallmacher von Basel seien keine Hooligans, sagt ein YB-Fan, der sich selber zu den «Hools» zählt. Diese seien bemüht, Unbeteiligte zu verschonen und wollten bloss «Spass» haben. Die Stadtpolizei sieht das etwas anders.

Die Szenerie, die sich am Güterbahnhof Bern bietet, erinnert an ein mittelalterliches Kampfgetümmel. Zwei kleine, schwarz gekleidete Heere schreiten einander entgegen, fünfzig Zürcher auf der einen, dreissig Berner auf der anderen Seite. Kampfrufe und Urschreie schallen über die Bahngleise. Noch fünfzig Meter. Wie zähnefletschende Kampfhunde stehen sie sich nun gegenüber, putschen sich am Anblick des Gegners auf. Verströmte die Atmosphäre einen Duft, röche es hier nach Adrenalin, Aggression und Angst.

Ein Ruf. Unter wildem Geschrei sprinten die zwei Blocks los, wie die Fusstruppen im Bauernkrieg, und klatschen zusammen. Einige Sekunden wild fliegende Fäuste, ungestüme Tritte und Chaos. Dann formiert sich das Prügelballet. Jeder hat seinen Gegner gefunden, da liegt der erste schon am Boden. Wenige Augenblicke dauert die Keilerei nur. Danach laufen die Hooligans, die vorher aufeinander eingedroschen haben, zusammen ins Neufeldstadion zum Match zwischen YB und FC Zürich. Vorbei an leicht verwirrt wirkenden Einsatztruppen der Polizei.

20 bis 30 Berner Hooligans

Diese Prügelei fand in der letzten Saison statt, und Kurt* lacht vergnügt sein Raucherlachen, wenn er das Video, das ein Kollege aufgenommen hat, kommentiert. Obwohl er einer der Ersten war, der damals am Boden gelegen ist. «Da habe ich einen ziemlichen Hammer kassiert», erzählt er amüsiert. Kurt gehört zum berüchtigten YB-Fanclub East Side Supporters, der aus zwei «Abteilungen» bestehe, wie er sagt: «normale Fans» und Hooligans. Kurt zählt sich zu den Hooligans – einer von ungefähr 20 bis 30 in Bern. Er trägt ein Baseball-Cap, darauf steht «BO» – für Böhse Onkelz, seine Lieblingsband. Auf seinem T-Shirt prangt eine Bulldogge; sie stellt so was wie das Maskottchen der Hools dar. Unter der Woche führt er ein friedliches Leben, er geht seinem Bürojob nach, verbringt die Freizeit mit seiner Freundin und weicht im Ausgang Schlägereien aus. Er wolle seine Ruhe haben, sagt er. Nur manchmal brauche er ihn halt, «diesen Kick», «die Flucht aus dem Alltag». Er sei süchtig, adrenalinsüchtig.

Bei Hooligans verhält es sich wie in anderen Bereichen: Wertungen und Etiketten sind rasch gemacht, Realitäten meist komplexer. «Was am Samstag in Basel geschehen ist, hat nichts mit Hooliganismus zu tun», meint Kurt. «In meinen Augen waren das Chaoten, gewalttätige B-Fans» (siehe Faktenbox). In den Medien würden Ultras und Hools oft gleichgesetzt; Fans, die im Stadion Petarden zündeten oder randalierten, fälschlicherweise als Hooligans bezeichnet. «Wir wollen keine Sachschäden verursachen oder dass Unbeteiligte zu Schaden kommen. Wir wollen nur Spass.»

«Der Ehrenkodex ist verwässert»

Die Stadtpolizei Bern sieht das ein bisschen anders. Fritz Schlüchter, Chef des Informationsdiensts, sagt: «Wir stellen fliessende Grenzen fest. Der Hooligan-Ehrenkodex ist längst verwässert. Da fliegen längst nicht mehr nur Fäuste.» Und komme es im Umfeld des Stadions zu Randale, seien immer auch Unbeteiligte betroffen.

Furcht vor Stadionverbot

Im Stadion verhalten sich die Hooligans unauffällig. «Schliesslich will ich kein Stadionverbot.» Ihm gehe es nämlich auch ums Fussballspiel, nicht bloss ums Prügeln. So genannte Feld-Wald-Wiesen-Fights, wo sich Hooligans abseits von Spielen treffen, seien seine Sache nicht. «Für mich gehören die Emotionen des Spiels dazu», sagt er. Richtig bereit fühle er sich, wenn YB ein Spiel unglücklich verloren habe.

Die Konfrontationen fänden oft in der Nähe des Stadions statt, an vereinbarten Treffpunkten. Da gingen ein, zwei Telefonate voraus, in denen man sich auch über die Stärke der Truppe austausche. Die Kämpfe dauern nur ein, zwei Minuten und funktionieren nach Kodex. Nachzutreten, wenn jemand schon am Boden liegt, ist verpönt. Waffen sind keine erlaubt. Daher gebe es auch kaum je ernste Verletzungen. Seit acht Jahren zählt sich Kurt, heute 24-jährig, zu den East-Side-Hooligans. Mehr als eine blutende Nase trug er nie davon.

Dabei seien die Berner bekannt für ihre Nehmerqualitäten. «Wir müssen oft die Birne hinhalten. Aber wir stellen uns, egal wie wenig Leute wir sind.» Kneifen gebe es nicht. «Manchmal habe ich keine Lust», räumt er ein, «aber ich kann meine Kollegen ja nicht im Stich lassen.» Nach dem Kampf trinke man zusammen, bespreche die Prügelei. Auf einer Website werden Bilder und Videos ausgetauscht.


Innere Feindschaften

Zwar sei die Szene vernetzt, aber auch verfeindet. Basler und Zürcher könnten sich aufs Blut nicht ausstehen. Daher glaubt Kurt auch, dass die Schweizer Hooligans an der Europameisterschaft 2008 keine Gefahr darstellen. «Schweiz United wird es nie geben – der Hass untereinander ist zu gross», sagt er. «Das ist etwas allzu blauäugig», entgegnet Schlüchter. Wenn sich die Gelegenheit ergebe, komme es vielleicht zu Allianzen mit ausländischen «Hools» gegen die heimischen Erzrivalen.



EXTRA

Ultras und Hooligans

Die Polizei unterteilt Stadionbesucher in drei Fantypen. Friedliche Matchbesucher sind A-Fans. Als Ultras (B-Fans) gelten Hardcore-Fussball- und Eishockeyfans zwischen 15 und 23 Jahren, die erlebnisorientiert und gewaltbereit sind. Die Gruppe ist sozial stark durchmischt, umfasst militante Anhänger wie auch Mitläufer. In den Gruppen gelten flache Hierarchien. Als Erkennungszeichen werden eigene Fanartikel, Fackeln, Petarden, Transparente mitgeführt. Es werden auch Choreografien vorbereitet und Gesänge vorgetragen. Schweizweit gelten rund 8000 Personen als B-Fans; in Bern sind es laut Stadtpolizei 1000. Die Hooligans (C-Fans) sind meist zwischen 25 und 40 Jahre alt, sozial integriert. Sie suchen Gewalt, sind in Banden hierarchisch organisiert. Als Erkennungszeichen gelten Markenkleider. Anzahl: 400 Militante (plus 600 Mitläufer). GC rund 80 (Hardturm-Front), FCZ etwa 80 (City Boys), Basel etwa 100 (Basler-Bande). (jäg)

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 16. Mai 2006, 09:05 
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Interessanter Bericht...
Aber irgendwie verwirrt er mich. Ich bin sicher kein "nomaler Fan" der sich auf seinen Arsch setzt und das spiel Schweigend betrachtet. Ich war immer der Ansicht das ich ein Ultra bin. Gemäss Defination ein Fussballfan, dem es um den Fussball geht und das auch mit allem möglichem (Fahnen, Gesängen,...) auslebt. Ein Gewisses "Gewaltpotzenzial" stehlt höchstens die Emotionale verbindung zum Spiel, den Spielern und Club dar. Und so wie ich das gelehrnt habe, geht eis einem Hool zuersteinmal um die Gewalt und chaos und dann erst um den Sport.

Deshalb sah ich mich als "Ultra" an. Aber was soll ich nun von mir denken???

Naja, egal, ich weiss was ich bin. Ich bin YB-Fan!

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 16. Mai 2006, 09:15 
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Diese Kategorisierung ist eh typisch für unsere Gesellschaft; dass es dabei viele Grauzonen gibt wird meistens vergessen. Entweder A, B oder C.... einfach lächerlich. Was sind denn Kutten? Dauerbesoffene A-Fans sollten evtl nicht mit dem Haupttribünen-Saisonabibesitzer gleichgesetzt werden....aber ja, journalismus ole. :roll:

Item, wer mich kennt, weiss wer und somit was ich bin, wer mich nicht kennt, soll mich auch nicht schubladisieren. 8)


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 Beitrag Verfasst: Dienstag 16. Mai 2006, 09:26 
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Schön gesprochen. Als ich mit meinem Vater am Match gegen Thun nach dem Spiel noch auf dem Quartierplatz stand, versuchten wir den "typischen YB-Fantyp" zu bestimmen. Bei manchen Vereinen (ich selber finde irgendwie z.b. beim SCB) gibt es die typischen Fans. Sie haben etwa den gleichen Kleider und Musikgeschmak. Sie haben ähnliche Freundinnen und etwa die gleichen Autos. (Trotzdem sind sie verscheiden... nicht das man mich missversteht...). Bei diesen kann man sagen wen sie im Bahnhof einem entgegenlaufen das sie Fan von dem und jenem sind...
Aber bei YB ist das Praktisch unmöglich, haben wir festgestellt. Selbst im D Block ist alles Bunt druchmist. Da komme ich, der Bürogummi der sich als Skin/Punk sieht, oder der "krasse" Hip-Hopper, wider andere sind eher rechts eingestellt... was auch immer. Aber eine schöne mischung allemal. Und nun teilt die Gesellschaft uns in Strenge gruppen ein, in denen sich keiner von uns wohl fühlt. Toll, ist das nicht schön... :evil:

Edit: (ich weiss, ist irgendwie ein riesengestürm der text, sorry!)

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 16. Mai 2006, 09:36 
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mex0r hat geschrieben:
Item, wer mich kennt, weiss wer und somit was ich bin, wer mich nicht kennt, soll mich auch nicht schubladisieren. 8)


schön gesagt Mexor...auf das du diesen Merksatz auch dir selbst zu Herzen nimmst...wenn'd waisch wann i main :wink:

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Und so sprach Hakin zum Menschengeschlecht:
"E trener wäggsel isch immer positiv. mängisch aber ou negativ..."


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 Beitrag Verfasst: Dienstag 16. Mai 2006, 09:43 
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roeschu hat geschrieben:
schön gesagt Mexor...auf das du diesen Merksatz auch dir selbst zu Herzen nimmst...wenn'd waisch wann i main :wink:


wenn es nur auf gegenseitigkeit beruhen würde.... ;)

item, bäck to topic :lol:


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