sport.ch, 09.10.2009
Mehr als ein FreundschaftsspielDie nationalen Meisterschaften ruhen. Es ist WM-Qualifikation. Bedeutet dies endlich einmal einen Ruhetag für die geschundenen Fussballer, die in den letzten Monaten englische Wochen zu absolvieren hatten und nicht für eine Nati aufgeboten sind? Denkste. Pausen gibt es nicht. Testspiele werden angesetzt, schliesslich müssen neue Spielzüge einstudiert, neue Taktiken eingespielt und neue Spieler ausprobiert werden.
Es gibt WichtigeresDer Leader der Super League, die Young Boys, empfängt im Rahmen eines solchen ''Überbrückungsspiels" den FC Schalke 04. Wenigstens geht es bei diesem Duell um einen Cup - den Obi Cup. Doch reicht dieser Motivationsschub den beiden Teams, um das Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen? Wohl eher nicht, denn diesen Pokal schreibt sich, bei aller Liebe den Organisatoren gegenüber, keine Mannschaft ins Palmarès.
Trotz der sportlichen Belanglosigkeit: Eine Schweizer Mannschaft spielt gegen ein Team aus der Bundesliga, die Rivalität Schweiz gegen Deutschland lässt das Herz höher schlagen. Zwei Traditionstruppe und Spitzenmannschaften überdies.
Das Duell gegen den grossen Nachbarn, der in der Vergangenheit für so viel sportliches Leid verantwortlich war, polarisiert im Fussball noch immer. Jeder Eidgenosse wünscht sich doch einen Ausrutscher der Deutschen, damit der kleine Schweizer hämisch werden kann. Quasi als Widergutmachung für all die Steinbrücks, Steueraffären und langweiligen Kanzlerwahlen der letzten Monate.
Weltklasse-Spieler im EinsatzUnd auch Schalke wird das Spiel ernst nehmen, zumindest sein Trainer und Manager in Personalunion, Felix Magath: Er gastierte bereits letztes Jahr am OBI Cup mit seinem damaligen Team, dem späteren Meister VFL Wolfsburg - und beendete das Turnier hinter den Bernern auf Rang zwei. Für Magath, dem erfolgreichsten Bundesliga-Trainer des neuen Millenniums, doch ein schwarzer Klecks in seiner ansonsten fehlerfreien Klausurenheft, in welchem in den letzten vier Jahren drei Meistertitel und zwei DFB-Pokalsiege notiert wurden.
Natürlich müssen beide Teams auf einige Spieler verzichten. Bei Schalke spielen aber trotzdem einige mit, die Klasse garantieren: Mathias Schober, Marcelo Bordon, Mineiro, Gerald Asamoah, Rafinha, Jefferson Farfan, Kevin Kuranyi um die Bekanntesten zu nennen.
YB mit PersonalmutationenVladimir Petkovic, der Trainer der Young Boys, muss auf die Nationalspieler Marco Wölfli (Schweiz), Saif Ghezal (Tunesien), Seydou Doumbia (Elfenbeinküste) und die Beiden U-21-Internationalen Francois Affolter und Xavier Hochstrasser verzichten.
Dafür wird heute zum ersten Mal Matar Coly für YB zum Einsatz kommen. Seit ihn die Berner im Sommer vom FC Al Wahda (Vereinigte Arabische Emirate) übernommen hatten, litt er an Knieproblemen, die nun endlich vollständig auskuriert sein sollen. Petkovic sagt, dass es für ihn ein gutes Spiel sein wird um seine Form zu testen, für einen Einsatz nächste Woche im Cup sei er aber noch nicht fit genug.
Offene AusgangslageAber ansonsten wird Petkovic auf Experimente verzichten. ''Wir geben vollen Einsatz und wollen gewinnen, wie immer. Für die Spieler ist es der Höhepunkt einer Woche, in der wir hart gearbeitet haben. Da wird jeder alles geben, um den Publikum etwas zu bieten", verspricht der Trainer.
Somit kann es gut sein, dass der Zuschauer, der sich heute Abend ins Stade de Suisse verirrt ein überraschend intensives Testspiel dargeboten bekommt. Eines mit Zweikämpfen, technischen Kabinettstücken und Toren. Und vor allem eines, indem die Axpo Super League nach den international geernteten Loorberen in den letzten Wochen nun ihren Klassenprimus ins Rennen schickt, um einen weiteren Prestige-Erfolg einzufahren und zu beweisen, dass sie eben doch so gut ist, wie sie denkt.
Von Fabian Vogt
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