Der Bund, 14.08.2009
Ersetzt Kalu bald Frimpong?In der YB-Offensive bahnen sich personelle Veränderungen an. Der FC Luzern möchte Joetex Frimpong erneut ausleihen. Die Young Boys testen derweil Ikechukwu Kalu von Bellinzona. Und Matar Coly fällt weiter verletzt aus.
Vladimir Petkovic sass am Mittwochabend mit seiner Frau auf der Tribüne des St.-Jakob-Parks und genoss in Basel als Zuschauer das torlose Länderspiel zwischen der Schweiz und Italien. Dabei dürften die Gedanken des YB-Trainers regelmässig abgeschweift sein, da sich bei den Young Boys in der Offensive personelle Rochaden anbahnen. Dem im Sommer zurückgekehrten Joetex Frimpong gefällt die Reservistenrolle nicht. Der Ghanaer trainiert lustlos und forciert einen Transfer, da er sich fürs Nationalteam aufdrängen möchte. Bei YB ist man nicht abgeneigt, den Akteur mit dem höchsten Fixlohn (beinahe 500000 Franken im Jahr) abzugeben.
Gegenseitiges InteresseIn der vergangenen Saison war Frimpong an den FC Luzern ausgeliehen, wo er mit 13 Toren in 23 Einsätzen die beste Offensivkraft war. Am Sonntag empfängt der FCL die Young Boys zum unerwarteten Spitzenkampf der 6.Runde – und das Interesse der Luzerner an Frimpong ist neu entbrannt. Eine Einigung über den leihweisen Wechsel gibt es aber (noch) nicht. «Im Fall Frimpong besteht gegenseitiges Interesse», sagt Luzern-Trainer Rolf Fringer, «aber wenn es schon definitiv wäre, müsste ich das ja wissen. Es wäre verfrüht, mit Gewissheit zu sagen, dass Frimpong bald wieder für uns stürmt. Aber sicher ist: Einen wie ihn könnten wir natürlich sehr gut gebrauchen.»
Bei den Young Boys betrachtet man die Möglichkeit, dass Frimpong den Verein verlässt, als «sehr hoch», wie Stadion-CEO Stefan Niedermaier sagt. Und Sportchef Alain Baumann erklärt: «Es ist möglich, dass Frimpong bald wieder in Luzern spielt. Aber vor dem Wochenende passiert nichts.» Möglicherweise muss sich YB sogar noch ein wenig am sehr hohen Lohn des 27-Jährigen beteiligen. Offenbar möchte der Berater des Angreifers aber auch Offerten aus dem Ausland (Katar) prüfen.
Coly weiter angeschlagen
Ohne Frimpong also dürften die Young Boys versuchen, einen Meistertitel zu gewinnen. Matar Coly, angedacht als Stammkraft im Sturm, ist aber nach wie vor angeschlagen. «Er hat einen Riss in der Kniescheibe, der ihn behindert», sagt Baumann. In den ersten beiden MRI wurde die Verletzung des 24-jährigen Stürmers nicht gesehen, erst das dritte MRI gab Aufschluss über das Leiden des robusten Coly. «Er ist im Training, aber natürlich noch nicht voll belastbar», sagt Baumann. «Wir hoffen, dass Coly Mitte September in der Liga einsatzfähig sein wird.»
Doumbia im NationalteamSo oder so sind die Berner auf der Suche nach einem weiteren Stürmer. «Aber es gibt keinen Schnellschuss», sagt Baumann. In den nächsten Tagen werden einige Testspieler in Bern erwartet. Bereits seit Anfang Woche dabei ist Ikechukwu Kalu von Bellinzona. Der Nigerianer ist klein (1,70 m) und schnell und sehr kräftig, aber im Tessin bei Trainer Marco Schällibaum nicht erste Wahl. Er dürfte rund 100000 Franken Ablöse kosten. «Wir halten viel von Kalu», sagt Baumann. «Aber auch in dieser Sache ist nichts entschieden.» In 14 Partien für Bellinzona erzielte der 25-jährige Kalu letzte Saison keinen Treffer, und das ist ja eher keine Referenz, die ihn dazu befähigt, für den Titelkandidaten YB eine Rolle spielen zu können. Kein Thema bei den Bernern ist der Franzose Guy Kassa Gnabouyou, 19 Jahre jung, der Olympique Marseille gehört und einige Tage getestet wurde.
Grösster Hoffnungsträger in der YB-Offensive bleibt natürlich Seydou Doumbia. Er durfte am Mittwoch 24 Minuten im Testspiel der Elfenbeinküste gegen Tunesien (72 Minuten mit Saif Ghezal) mitspielen und hatte gute Szenen. Auch diese Begegnung endete 0:0. (fdr/pmb)
http://www.derbund.ch/bern/dossier/alles-zu-den-berner-young-boys/Ersetzt-Kalu-bald-Frimpong/story/11823825