Peinlich! Stones wollen in die Schweiz
Aber es ist kein Plätzchen frei
ZÜRICH – No satisfaction für die Schweizer Fans der Rolling Stones? Jagger & Co. möchten uns am 5. August 2006 mit ihrer neuen Megashow «A Bigger Bang» beglücken. Steht auf ihrer Homepage. Peinlich nur: Niemand will sie hier.
Jagger&Co. sind zu gross für die Schweiz. Zumindest für die Deutschschweiz. «Es ist zum Verzweifeln», stöhnt André Béchir (56) vom Konzertveranstalter Good News. Seit Monaten verhandelt er mit dem Management der Rolling Stones um einen Termin für eine Show der Rockveteranen in der Schweiz.
Und jetzt, wo sie sich endlich auf den 5. August 2006 einigen konnten, bekommt Béchir für das Rockspektakel keinen Austragungsort bewilligt. «Niemand will die Stones», wettert er. «Ich könnte mir die Haare raufen, dass alle so unflexibel sind!»
Ursprünglich erteilte die Stadt Zürich Béchir grünes Licht für ein Konzert im Letzigrund-Stadion, wo die Stones bereits 2003 ihre Hits dröhnten. Doch dann schaltete Zürich plötzlich auf Rot. Ernst Hänni (58), Chef Sportamt Stadt Zürich, lapidar: «Wegen dem Stadionumbau hinsichtlich der Fussball-EM 2008 ist ein solches Mammutkonzert zu diesem Zeitpunkt bei uns schlicht nicht möglich.»
Veranstalter Béchir reagierte prompt und fragte beim Militärflugplatz Dübendorf ZH an. Doch auch dort holte er sich nur eine Abfuhr. «Das Gelände wird bei einem Konzert dieser Dimension zu stark in Mitleidenschaft gezogen», glaubt Jürg Nussbaum (48), Chef Kommunikation Luftwaffe.
Problematisch sei vor allem, dass die Wiesen der Bauern beschädigt würden. «Viele Bauern beliefern den Zürcher Zoo mit Gras», sagt Nussbaum, «und das könnten sie danach nicht mehr.» Ausserdem hätten nicht alle an den Flughafen grenzenden Gemeinden ihre Zustimmung gegeben. «Für sie ist die Lärm- und Verkehrsbelastung wohl zu gross.»
Und tatsächlich: Mit sage und schreibe 75 Sattelschleppern wollen die Stones vom 27. Mai bis 29. August durch Europa touren. Allein die Bühne ist 62 Meter breit und 27 Meter hoch. Für Mick Jagger soll ein Laufsteg quer durch das Publikum aufgestellt werden. «Die Produktion ist gigantisch», bestätigt Béchir.
Zu gigantisch für das Basler St.-Jakob-Stadion. Und zu gigantisch auch für das Stade de Suisse in Bern, wo 2006 Superstars wie Robbie Williams und Bon Jovi erwartet werden. Als Stadion kommt höchstens noch die Pontaise in Lausanne in Frage. Dort will Béchir als Nächstes antraben.
Sollte es in der Westschweiz ebenfalls nicht klappen, müssen die Schweizer Stones-Fans für ihre «Satisfaction» wohl oder übel nach München oder Mailand pilgern. «Und das wäre eine Schande», so Béchir.
Fixe Daten der nächsten Europa-Tournee der Stones findet man unter
http://www.rollingstones.com
blick.ch