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 Beitrag Verfasst: Samstag 7. Mai 2005, 18:53 
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Registriert: Sonntag 16. Mai 2004, 14:39
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«Wir zünden recht viel. Aber bei uns fliegt nichts aufs Feld»

Für ihren Verein, die Berner Young Boys, geben sie alles. Für sie ist Fussball feurige Leidenschaft. Dem bevorstehenden Einzug ins Stade de Suisse schauen zwei eingefleischte YB-Fans mit gemischten Gefühlen entgegen.

Nach den Vorkommnissen in Italien, als das Champions-League-Derby zwischen der AC Milan und Inter Mailand abgebrochen wurde, weil fanatische Fans pyrotechnisches Material auf den grünen Rasen schmissen, ist auch in der Schweiz eine Diskussion über brennende Fussballstadien entflammt.

Christian Gross, der Trainer des Schweizer Vorzeigeklubs FC Basel, spricht im Interview mit einem Sportmoderator des Schweizer Fernsehens von einer Polizei, die «nonchalant» sei und fordert «drastische Massnahmen».

Feuer und Flamme für YB

Doch was bringt die Mitglieder der Fanclubs auch hier zu Lande immer wieder dazu, im Stadion nicht nur Transparente hochzuhalten und lautstarke Gesänge anzustimmen, sondern eben auch heftig rauchende Feuerwerke zu zünden? «Das Abbrennen von Feuerwerk ist Ausdruck des Feuers, das wir für unsere Mannschaft und für uns selbst empfinden», sagt Reto*, ein Mitglied der Berner Fangruppe «Schurken». Er distanziert sich aber sogleich von den Geschehnissen in der norditalienischen Metropole: «Wir zünden recht viel. Aber bei uns fliegt nichts auf das Spielfeld.» Reto und seine Kollegen übernehmen Verantwortung: «Wir schauen dafür, dass nichts passiert.» Doch bei besonders wichtigen Spielen wie dem vergangenen Cup-Match gegen den FC Zürich könne es passieren, dass diese Kontrollfunktion ins Wanken gerate, räumt Reto ein. Derzeit herrsche Repression. Gerade die Sportmoderatoren des Schweizer Fernsehens seien auf brennende Leuchtpetarden sensibilisiert.

Echte Fans stehen

Themawechsel. Mit gemischten Gefühlen blicken die YB-Fangruppen dem Einzug in das neue Stade de Suisse entgegen. Für sie ist insbesondere die Anzahl Stehplätze im neuen Stadion von entscheidender Bedeutung. Für die beiden leidenschaftlichen YB-Anhänger Reto und Joel ist klar: Echte Fans stehen. «Sonst sind unsere Choreografien nutz- und wirkungslos», sind die beiden überzeugt. Und: Ohne hartgesottene Fans herrsche Flaute auf den Rängen. «Wenn wir keinen Platz bekommen, gibt es keine Stimmung. Die Fankultur stirbt.»

So entstehe ein «Konfliktpotenzial», gibt Joel zu bedenken. Aus diesem Grund kämpfen sie für ihren Platz und stehen auch mit den Stadionbetreibern im Kontakt. «Vor gut einem Jahr sind wir davon ausgegangen, dass es eine Fankurve mit rund 4000 Stehplätzen hinter dem Tor geben wird», blickt Reto zurück. Doch mit dem Fortschreiten der Bauarbeiten schlug der Wind um: «Dann waren es noch 1500 in der Ecke, später gar nur 500 bis 1000.» Nun hoffen sie auf einen Kompromiss: «Unser Ziel sind 600 Stehplätze in der Mitte.»
In diesem Zusammenhang verweisen Joel und Reto auf den St.- Jakob- Park in Basel. Dort wurden nachträglich wieder Stehplätze geschaffen. «Auch in einigen modernen Arenen in Deutschland gibt es eine gewisse Anzahl Stehplätze», betont Reto.

Bewegung der «Ultras»

Die beiden YB-Supporter orientieren sich in ihrer Haltung als Fans an der Bewegung der so genannten «Ultras». Der Begriff bezeichnet organisierte Fangruppen, die sich aktiv und fanatisch für ihren Verein einsetzen und sich so vom durchschnittlichen Besucher eines Fussballspiels absetzen wollen. Im Zuge der Entwicklung des Massenphänomens Fussball in den 60er-Jahren formierten sich in Italien und in weiteren Teilen Südeuropas die ersten solchen Fangruppierungen, die bis heute häufig auch mit einem politischen Hintergrund in Verbindung gebracht werden. Die «Ultras» des italienischen Klubs AS Roma haben ihre Ansichten gar in einem Manifest niedergeschrieben, auf das sich bis heute viele Fanorganisationen beziehen.
Ben Loosli

Berner Zeitung, 07.05.05


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