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 Beitrag Verfasst: Freitag 22. April 2005, 08:54 
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Bund, 22.4.2005

«Niemand nimmt das Heft in die Hand»

YB-Trainer Hans-Peter Zaugg ortet im Hinblick auf nächste Saison grossen Handlungsbedarf und wünscht sich vor allem einen Regisseur
YB-Trainer Hans-Peter Zaugg spricht im Interview über die derzeitigen Probleme seines Teams und seine Erwartungen für die nächste Saison. Zudem betont er, von den Vereinsverantwortlichen starkes Vertrauen zu spüren.

«bund»: Welches waren die Gründe für die Niederlage im Cup-Halbfinal gegen den FC Zürich?

Hans-Peter Zaugg: Mit der ersten Halbzeit können wir zufrieden sein; Zürich zog aus dem 0:5 von Mitte März die Konsequenzen und agierte sehr defensiv. Deshalb blieb uns kaum Raum zur Entfaltung. Doch der Start zur zweiten Halbzeit missglückte uns gründlich; in dieser Phase stellten wir uns unglücklich an – um nicht zu sagen unmöglich. Zuerst brachten wir den Ball nicht weg, dann liessen wir uns beim 0:1 übertölpeln.

Sind Sie vom Auftritt der Mannschaft im Letzigrund enttäuscht?

Enttäuscht bin ich in erster Linie vom Resultat, aber auch davon, dass wir gewisse Sachen, die wir uns vorgenommen hatten, nicht umsetzten – und das in einem solch wichtigen Spiel. Wir agierten zu wenig diszipliniert. Ein Beispiel: Beim 0:2 konnte FCZ-Goalie Taini mit seinem Auskick nicht weniger als sechs YB-Spieler «abhängen», womit die aufgerückten Zürcher in der Überzahl waren. Enttäuscht bin ich auch, dass wir die Cleverness vermissen liessen und zu früh die Geduld verloren: Beim Stand von 1:2 haben wir viel zu früh «alles oder nichts» gespielt. Das kann man zwei Minuten vor dem Ende machen, aber nicht acht oder zehn.

Wie erklären Sie sich, dass YB in Zürich nach dem 0:2-Rückstand und gegen Thun nach dem 0:4 besser spielte als zuvor?

Es scheint, als würde ein deutlicher Rückstand das Team befreien. Nach dem Motto: «Nun kann nichts mehr passieren. Lasst uns noch das Beste daraus machen.» Vielleicht fehlt es uns an Lockerheit und an Klasse. Unser grösstes Manko aber besteht darin, dass uns im Mittelfeld ein Spieler fehlt, der den Ball halten, das Spiel ordnen, dirigieren und Kommandos geben kann. Niemand nimmt das Heft in die Hand.

Angesichts der vielen Routiniers in der Mannschaft erstaunt dies.

Richtig, aber die Spieler können dieser Rolle offensichtlich nicht gerecht werden. Daran müssen wir im Hinblick auf nächste Saison zwingend etwas ändern.

Dennoch hat YB zwei Flügelspieler engagiert und steht kurz vor der Verpflichtung eines Aussenverteidigers. Ein Widerspruch.

Dies trifft nur auf den ersten Blick zu. Die Konstruktion einer starken Achse, die ich gerne hätte, geniesst natürlich Priorität. Und ich bin froh, dass bei uns alle Entscheidungsträger die Überzeugung teilen, dass wir uns noch verstärken müssen. Doch diese Transfers sind meist mit grösserem Aufwand verbunden. Dazu kommt, dass man auf den anderen Positionen die Entwicklung nicht verschlafen darf und zugreifen muss, ergibt sich eine gute Gelegenheit.

Welche Spieler würden Ihren Vorstellungen entsprechen?

In der Defensive ein Verteidiger wie Thuns Armand Deumi: Er ist schnell, wendig, ein guter Fussballer. Im Zentrum ein Akteur vom Stil Matias Delgados (FC Basel, Anm. der Red), der ohne Foul kaum vom Ball zu trennen, torgefährlich und laufstark ist. Und im Sturm gefiele mir ein Spieler vom Typ Julio Hernan Rossis (FC Basel, Anm. der Red.): ein torgefährlicher Arbeiter, der Emotionen wecken kann. Denn wir benötigen Spieler, welche Zuschauer ins Stadion locken und begeistern können.

Zuletzt waren die Leistungen starken Schwankungen unterworfen. Was entspricht dem Vermögen des Teams besser: das 1:1 in Basel oder das 1:3 in Zürich?

Vermutlich etwas zwischendrin; wir können deutlich besser spielen, als wir es am Mittwoch in Zürich getan haben; und in Basel war nebst sehr guter defensiver Arbeit auch Glück mit im Spiel. Der Knackpunkt liegt weiter zurück: das 2:3 gegen St. Gallen. Diese eher überraschende Niederlage hat uns von der Linie abgebracht und destabilisiert. Seither sind einige Spieler stark verunsichert; andere wiederum befinden sich nicht in der Form, die ich mir erhoffte.

In 100 Tagen wird das Stade de Suisse eröffnet. Mit welchen Gefühlen blicken Sie diesem Ereignis entgegen?

Ich hoffe natürlich, dass wir möglichst lange im Kampf um Platz 3 oder im Fall eines Cupsiegs des FC Zürich um Rang 4 verbleiben – und uns für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Können wir uns anschliessend wie gewünscht verstärken, bin ich zuversichtlich, dass wir eine gute Mannschaft haben werden und in der Super League bereits in der nächsten Saison eine gute Rolle spielen können.

Es wird viel vom neuen Stadion gesprochen – sind sich auch alle bewusst, was dies bedeutet?

Einige sind sich nicht im Klaren darüber, welcher Druck durch das neue Stadion entstehen wird – und dieser wird deutlich grösser sein als im Neufeld, wo wir der Erwartungshaltung zuletzt nicht gewachsen schienen. Zerbricht ein Spieler am Druck, noch keinen Vertrag zu haben, oder hemmt ihn dies, gute Leistungen zu erbringen, frage ich mich, wie er im neuen Stadion bestehen will.

Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Ich bin mir bewusst, dass sich auch der Druck auf mich erhöhen wird. Die Leute kommen zumindest am Anfang auch wegen des neuen Stadions zu unseren Spielen; aber sie erwarten ganz klar, dass die Mannschaft gut und offensiv spielt – und gewinnt. Doch mit diesem Druck kann ich gut umgehen, wenn ich eine kompetitive Mannschaft habe.

Haben Sie Angst, die in der Winterpause beschlossene Vertragsverlängerung trete nicht in Kraft, falls YB sich nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert?

Nein. Natürlich wäre es mir lieber, wir spielten besser und erfolgreicher. Nicht zuletzt wegen der vielen treuen Fans, welche uns sowohl zuhause als auch auswärts unterstützen. Und ein Trainer ist stets darauf angewiesen, dass die Resultate stimmen. Ich habe auch Verständnis dafür, dass man über die jetzigen Resultate nicht glücklich ist. Doch ich werde weiter seriös, ruhig arbeiten – und versuchen, das Saisonziel zu erreichen. Wir wollten zwar im nächsten Jahr möglichst europäisch vertreten sein, haben aber auch stets kommuniziert, realistisch sei ein Rang zwischen 2 und 5. Sollten wir das Pech haben, Vierter zu werden und die Europacup-Plätze zu verpassen, glaube ich nicht, dass die Verantwortlichen die Zusammenarbeit mit mir beenden würden.

Spüren Sie dieses starke Vertrauen?

Ja, das spüre ich. Es wäre durchaus fair, erhielte ich auch im beschriebenen Fall von den Verantwortlichen die Chance, mit der «neuen» Mannschaft zu arbeiten. Angesichts der Mittel, die in dieser Saison zur Verfügung standen, hätte ich schon ein wenig Mühe, würde man nun in neue Spieler investieren – und zugleich einen neuen Trainer holen.

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 Beitrag Verfasst: Freitag 22. April 2005, 20:01 
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Zitat:
Doch mit diesem Druck kann ich gut umgehen


Bin mir nicht so sicher, ob Bidu das wirklich gut kann. :roll:

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