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 Beitrag Verfasst: Freitag 22. Mai 2009, 11:11 
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Berner Zeitung, 22.05.2009

Und die Geschichte wiederholt sich doch

Cupfinal ist, wenn am Ende die Walliser jubeln und die Berner deprimiert nach Hause ziehen. Das war auch am Mittwoch nicht anders. Es war ein ereignisreicher Tag.

Um 14.30 Uhr ist die Welt der Berner noch in Ordnung: In friedlicher Stimmung versammeln sich die ersten YB-Fans auf dem unteren Waisenhausplatz. Es herrscht Campingplatz-Atmosphäre: Mit Klappstühlen und vollen Bier-Kartons ausgerüstet, stossen die Fans auf ein erfolgreiches Spiel an und schliessen Wetten über die Höhe des erwarteten Sieges ab.

Philippe Müller (22) aus Ostermundigen ist mit fünf Freunden vor Ort: «Diesmal packen wir die Walliser», sagt er überzeugt. Seine Kumpane nicken. «Die Freundinnen haben wir zu Hause gelassen, denn heute wird richtig gefeiert», fügt er hinzu. Eine Stunde später sind auch Markt- und Spitalgasse sowie der Bärenplatz von zahlreichen Fans in gelb-schwarzen Schals und Fantrikots überzogen.

Bahnhof in rot-weisser Hand

Gleichzeitig fahren am Berner Hauptbahnhof die ersten Extrazüge aus dem Wallis ein. Sofort wird der Treffpunkt im Zentrum der Bahnhofhalle in Beschlag genommen. Zu Beginn sind es rund 300 Walliser Fans; sie jubeln und johlen, schwenken rot-weisse Fahnen und lassen Kuhglocken erklingen. Bald kommen mehr dazu. Auch bei den Wallisern geht nichts ohne Bier. Dessen Geruch vermischt sich allmählich mit dem Qualm der abgefeuerten Rauchpetarden. Den FC-Sion-Fans gefällt es im Berner Bahnhof derart gut, dass sie die ursprünglich geplante Besammlung auf der Schützenmatte kurzum streichen und um 17. 30 Uhr auf direktem Weg Richtung Stadion losmarschieren. Ihre Route führt über Lorrainebrücke und Breitenrainplatz hin zum Stade de Suisse. Yvan Margelisch (40) aus Bramois bei Sion ist mit seinem 10-jährigen Sohn am Fanmarsch dabei: «YB ist Favorit, aber ich bin dennoch optimistisch», lässt er verlauten. Vor drei Jahren beim letzten Cupfinal zwischen YB und dem FC Sion sei die Ausgangslage ja ähnlich gewesen. Der YB-Fanzug schreitet währenddessen durch die untere Altstadt, passiert den Bärengraben und läuft über den Aargauerstalden hinauf zum Stadion. Dort angekommen, werden die beiden Fangruppen von der Polizei hermetisch getrennt und ins Stade de Suisse geschleust.

Bern als Walliser Mekka

Auf dem Bärenplatz vor dem «Le Mazot» stimmen sich derweil Erwin Bregy und Wisi Jenelten aus Turtmann bei einem Glas Weisswein auf das Spiel ein: Für sie seien die Cup-Erfolge des FC Sion ein Mythos. Das ganze Wallis stehe hinter dieser Mannschaft. «Die Moslems pilgern nach Mekka; wir pilgern nach Bern», sagt Jenelten. Und Bregy erzählt stolz, dass er bereits 1991 beim 3:2 Cupfinal-Sieg des FC Sion über YB dabei gewesen ist.

Als um 20.30 Uhr das Spiel beginnt, blicken die in der Innenstadt gebliebenen Fans beider Teams gebannt auf die Grossleinwand beim Bundesplatz. Die YB-Anhänger sind eindeutig in der Überzahl. Alles verläuft friedlich; auch hier wird rege Bier konsumiert, diesmal im Gegensatz zur vor zehn Tagen zu Ende gegangenen Eishockey-WM sogar aus speziell für den Anlass angefertigten Cupfinal-Trinkbechern. Nach dem Spiel herrscht bei den Bernern die grosse Depression: «Es hängt ein Fluch über uns», bemerkt YB-Fan Kurt Johner (57) aus Kerzers. «Wieder sind wir wie 1991 2:0 in Führung gegangen, wieder haben wir am Ende verloren», sagt er enttäuscht. Ihm täten vor allem die Spieler leid. Am Cupfinal-Trinkbecher habe er jedenfalls keine Freude mehr, er werde diesen einem Walliser Fan als Andenken schenken.

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 Beitrag Verfasst: Freitag 22. Mai 2009, 11:14 
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Berner Zeitung, 22.05.2009

Bundesrat Maurer und Sions Söldner

Schweizer oder gar Walliser Wurzeln hatte in der Startelf des Cupsiegers keiner der Spieler. Bundesrat Maurer wirkte bei der Pokal-Übergabe denn auch leicht verloren in der afrikanischen Ausgelassenheit. Zeit, ihm die bunte Truppe vorzustellen

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Sions Geoffroy Serey Die schreitet aufs Podest, wo er von Bundesrat Ueli Maurer erwartet wird

Was mag sich wohl Ueli Maurer gestern im Stade de Suisse gedacht haben, als sich die Spieler des FC Sion aus den verschiedensten Ländern vor dem Vertreter der SVP im Bundesrat zur Gratulation aufgereiht hatten?

Auf dem Podest ging ein Sion-Söldner nach dem anderen an Maurer vorbei. Torhüter Essam El-Hadary ignorierte den Regierungsvertreter komplett, die tanzenden Afrikaner Obinna Nwaneri, Geoffrey Serey Die und Paito hatten nur Augen für den Pokal, während Virgile Reset jovial die Hand Maurers im Bauarbeiter-Stil packte.

Bei Basel waren es acht Ausländer gewesen

Ein Ägypter, ein Ungare, ein Marokkaner, ein Nigerianer, ein Portugiese, ein Mann aus der Elfenbeinküste, ein Serbe, zwei Franzosen und zwei Schweizer waren in der Startformation des Cupsiegers gewesen. So viele Ausländer standen noch nie in der Startelf eines Cupsiegers. Die Bestmarke hielt bisher der FC Basel, der im letzten Jahr mit acht Ausländern gegen Bellinzona 4:1 gewonnen hatte.

Dass die beiden Schweizer, Enes Fermino und Guilherme Afonso, Wurzeln im Kongo und in Angola haben, passte ins internationale Bild, das der FC Sion abgab.

Der exzentrische «Pharao» im Tor

Im Tor des Multi-Kulti-Cupsiegers stand der ägyptische Nationalgoalie Essam El Hadary (36). Der exzentrischste Torhüter, den der Schweizer Fussball je gesehen hat, sass nach dem Triumph auf dem Tor und feierte mit den begeisterten Walliser Fans. Schon während der Partie hatte er sie immer wieder angetrieben und aufgefordert, Stimmung zu machen. Dass der Showman bei einigen Aktionen einen unsicheren Eindruck hinterlassen hatte, kümmerte die Anhänger nach Schlusspfiff nicht mehr.

Der ungarische Wandschrank

Als Rechtsverteidiger stoppte der 1,88 Meter grosse Ungare Vilmos Vanczak (25) die Berner Angriffe und hatte Alberto Regazzoni meist gut im Griff.

Der marokkanische Unglücksrabe im Glück

In der Innenverteidigung hatte der Marokkaner mit französischem Pass, Jamal Alioui (26), einige bange Momente zu überstehen. Und in der 36. Minute lenkte er gar einen Freistoss von Mario Raimondi zum 0:2 ins eigene Tor ab.

Das nigerianische Stehaufmännchen

Neben Alioui verteidigte der Nigerianer Obinna Nwaneri (27), der wegen seinen stetigen Wechselträumen während der turbulenten Saison bei Sion auch schon in Ungnade gefallen war. Nach 33 Minuten musste er wegen einer Oberschenkelverletzung das Feld räumen. Für ihn kam der erste waschechte Walliser, Stéphane Sarni, auf den Platz, der später für das 2:2 sorgen sollte.

Der flinke Doppelbürger

Von grosser Bedeutung für den Erfolg war auch der schnelle Linksverteidiger Paito (26). Der Doppelbürger von Portugal und Moçambique, für dessen Nationalmannschaft er spielt, war einer der Gründe, weshalb YB sein Flügelspiel nicht wunschgemäss aufziehen konnte.

Der Schweizer Pechvogel

Im Mittelfeld hatte sich der französische Sion-Trainer Didier Tholot dafür entschieden, mit Enes Fermino (21) einen zweiten defensiven Abräumer aufzustellen. Der ehemalige Schweizer Junioreninternationale mit kongolesischen Wurzeln begann nervös und schenkte YB mit einer panischen Aktion einen Penalty und damit den Führungstreffer. Er wurde in der 67. Minute durch den zweiten Walliser, Didier Crettenand (23), ersetzt.

Das Energiebündel von der Elfenbeinküste

Geoffrey Serey Die (25) verkörperte bei Sion wie kein Zweiter die Leidenschaft und die Bereitschaft sich aufzuopfern. Der Mittelfeldspieler von der Elfenbeinküste, der in der Vergangenheit auch schon durch äusserst grobe Fouls aufgefallen war, war die Quelle der Energie bei den Wallisern und der beste Mann auf dem Platz.

Die französische Flügelrakete

Virgile Reset (23) war lange der einzige Sion-Spieler, der die Berner Defensive vor Probleme stellte. Der pfeilschnelle Franzose blieb allerdings wie so oft ineffizient. In der 90. Minute wurde er durch Jocelyn Ahoueya, den Mittelfeldspieler aus Benin, ersetzt.

Das serbische Hirn der Mannschaft

Während Serey Die das Schwungrad Sions war, sorgte Goran Obradovic (33) für die spielerische Klasse und die überlegten Aktionen. Und wie schon beim letzten Cupsieg vor drei Jahren schoss er gegen YB ein Tor. Mit seiner Technik und seiner Intelligenz wäre der Serbe auch im fortgeschrittenen Fussballer-Alter für jedes Schweizer Team eine Verstärkung.

Der französische Star und Captain

Hätte Olivier Monterrubio (32) soviel Ehrgeiz wie Klasse, würde er bestimmt nicht in Sion spielen. Der Franzose hatte bei Rennes als Freund und Vorbereiter einst Alex Frei zum Torschützenkönig der Ligue 1 gemacht und dessen Marktwert massiv gesteigert. Mit seinen Toren gegen St. Gallen und Luzern machte der Captain den Finaleinzug der Walliser, der gemäss dem Gesetz der Serie gleichbedeutend mit dem Cupsieg war, erst möglich.

Der Schweizer Matchwinner

Guilherme Afonso (23) wurde mit seinem 3:2 zum grossen Matchwinner. Dabei überraschte der Schweizer mit angolanischen Wurzeln, den der damalige U21-Nationaltrainer Bernard Challandes einst bei Valence in Frankreich entdeckt hatte, durch seine Geschmeidigkeit. Denn ansonsten wirkt der Stürmer oft ein wenig hüftsteif.

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 Beitrag Verfasst: Freitag 22. Mai 2009, 14:31 
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 Beitrag Verfasst: Samstag 23. Mai 2009, 10:03 
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sf.tv, 21.05.2009

Cupfinal

Die Serien finden ihre Fortsetzung

Der FC Sion bleibt der Cup-Spezialist schlechthin. Auch bei seiner elften Final-Teilnahme blieb dem Gegner nur das müssige Gratulieren. Für die Berner Young Boys verlängert sich die titellose Zeit um mindestens ein weiteres Jahr. Was bleibt, ist die Erkenntnis, in wichtigen Spielen zu versagen.

Es war angerichtet: Der Final im heimischen Stadion, der Kunstrasen als gewohnte Unterlage und die Rolle des grossen Favoriten. Alles war bereit für YB - nur die Mannschaft war es nicht, ein weiteres Mal in einem entscheidenden Spiel.

Fehlende defensive Stabilität

Das offensive 3-4-3-System von YB-Trainer Vladimir Petkovic hat den Fans in dieser Saison viele Tore beschert. Aber eben nicht nur den Bernern, sondern auch den Gegnern. Meist offensiv top, floppte die Abwehr schon etliche Male in dieser Saison. Auch im Cupfinal war dies nicht anders. Sinnbildlich das ungenügende Abwehrverhalten von Miguel Portillo beim dritten Sion-Treffer, als sich der Argentinier von Guilherme Afonso ausspielen liess. Was fehlt ist klar: ein Abwehrpatron, der die wacklige Hintermannschaft zusammenhält.

Sion an jedem Tor beteiligt

Die Offensivabteilung der Berner schoss zwar auch im Final Tore, doch ohne Sions gütiger Mithilfe beim Elfmeter und dem Eigentor wäre es wohl zu keinem Berner Torjubel gekommen. Die Sturmreihe der Young Boys blieb über die gesamte Spielzeit blass, ideenlos und schien gehemmt. Torchancen waren eine Seltenheit.

Wo war die viel gelobte Offensive?

Auch aus diesem Grund war der Sieg Sions verdient. Die Walliser hatten mehr Feuer und Leidenschaft in ihrem Spiel. Der 1:2-Anschlusstreffer von Sion kurz vor der Pause nahm YB die Lockerheit. Das Berner Spiel war in der Folge geprägt von Ängstlichkeit und Hemmung. Nichts mehr war zu sehen von der geballten Offensivkraft.

Cupfinal und «Finalissima» vergeigt

Das Warten auf einen Titel geht in der Hauptstadt weiter. Letztmals konnten die Berner 1987 den Cup (gegen Servette) gewinnen. Wie bereits im vergangenen Jahr, war YB im entscheidenden Spiel nicht auf der Höhe. Vor rund zwölf Monaten vergaben die Hauptstädter in Basel bei der «Finalissima» ihre Chance auf den Meistertitel, nun diejenige auf den Cup-Pokal.

Sion und der Cup

Das pure Gegenteil in Sachen Effizienz in Finalspielen ist der FC Sion. Die Walliser blieben auch in ihrem elften Cupfinal siegreich, eine schier unglaubliche Bilanz. «Lieblingsgegner» im Endspiel ist YB: 1980, 1991, 2006 und 2009 gewann Rot-Weiss gegen Gelb-Schwarz. Zu lange werden die Spieler ihren Erfolg allerdings nicht auskosten können, denn bereits am Sonntag steht in Vaduz der Meisterschaftsalltag wieder vor der Türe. Sion weist zwei Runden vor Schluss nur einen Punkt Reserve auf den Barrage-Platz auf.

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 Beitrag Verfasst: Samstag 23. Mai 2009, 10:05 
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Berner Zeitung, 23.05.2009

«Ich bin kein Cocktail-Typ, ich bin ein Kämpfer»

FC-Sion-Präsident Christian Constantin ist im Schweizer Fussball die streitbarste Figur. Eben holte er zum fünften Mal den Cup – vor Freude habe er geweint, gesteht er.

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Ist Constantin grössenwahnsinnig? – «Wer mich mag, sagt, ich sei ein Visionär.»


Welche Prämie bekommt der FC-Sion-Präsident für den Cupsieg?
Keine.

Keinen neuen Ferrari?
Ich habe mir das neueste Modell schon vorher gekauft. Prämien gibt es nur für die Spieler. Ich bezahle sie. 15'000 Franken für jeden.

Was bedeutet der Cup für Sie und für den Kanton?
Cup und Wallis sind eine spezielle Liaison. Das ist eine Geschichte, in der sich Generationen wiederfinden. Grosseltern und Enkel verbinden mit dem Cup gemeinsame Erfahrungen. Er bringt anderseits Leute zusammen, die sich zuvor nicht gekannt haben. Am Mittwoch fuhren viele im Car nach Bern. Man kannte sich am Morgen beim Einsteigen nicht. Am Abend war es, als würde man sich seit Jahren kennen. Nach dem Sieg gratulierten Walliser aus aller Welt, aus Venezuela, Estland, Argentinien, Mexiko. Sie alle sind fasziniert vom Mythos um den Cup.

Sie sollen am Mittwochabend geweint haben. Das passt nicht zum Bild des emotionslosen, des kühlen Christian Constantin.
Ich habe nach jedem Cupsieg Tränen in den Augen gehabt. Man hat das nur nicht gesehen, weil die Finalspiele jeweils am Nachmittag stattfanden und ich mich hinter einer Sonnenbrille verstecken konnte. Sie können mit jedem meiner Spieler reden. Alle werden sagen, dass das Bild des harten und kühlen Typs nicht zutrifft.

Unser Bild ist es nach wie vor.
Hören Sie mal! In Momenten wie am Mittwoch bin ich sehr emotional und warmherzig. Jeder kann über mich denken was er will. Aber wenn man wirklich wissen will, wie jemand ist, muss man sich zuerst intensiv mit ihm auseinandersetzen.

Wenn man behauptet, Christian Constantin sei verrückt . . .
. . . das sagt ihr Deutschschweizer!

Ist es denn falsch? André Luisier, Ihr Vorgänger als Präsident vor 1992, stand für Fussball-Leidenschaft. Sie stehen fürs Geschäftemachen.
Luisier liebte den Fussball nicht.

Aber er hat gegen 30 Millionen Franken in den FC Sion gesteckt.
Das heisst noch lange nicht, dass er den Fussball geliebt hat. Er war Inhaber der Tageszeitung «Le Nouvelliste» und wollte über den Fussball junge Leser gewinnen. Luisier glaubte, dass man mit Geld alles haben und Probleme lösen kann. Wollte ein Spieler einen neuen Wagen oder eine neue Wohnung, ging er zu Luisier, und der sagte: «Spielen Sie am Samstag gut!» Wenn die Leistung stimmte, erhielt der Spieler, was er verlangt hatte. Luisier dachte, man könne so den Erfolg kaufen.

Exakt diesen Eindruck haben wir von Ihnen.
Ich nehme einen anderen Weg. Ich kaufe nicht das Resultat, sondern baue etwas auf, um Erfolg zu haben. Wenn ich nur Geld in den Verein stecke und mich dann irgendwann zurückziehe, bleibt nichts zurück. Ich hingegen bin daran, die Infrastruktur für den Verein ständig zu erweitern, in jedem Bereich. Als Präsident eines professionellen Vereins bin ich verpflichtet, den Profis optimale Arbeitsbedingungen zu bieten. Es wird also nachhaltig etwas bleiben, wenn ich gehe.

Sie haben wie Luisier mit der grossen Kelle angerichtet.
Ich habe in gut zehn Jahren 25 Millionen Franken investiert. Da geht es aber auch um Investitionen in Ausbildungszentren.

Was ist das Fernziel?
Ich will Sion zu einem ernst zu nehmenden Klub in Europa machen.

Vergleichbar mit?
Ich bewundere den FC Porto.

Wie weit sind Sie auf diesem Weg?
Bei 40 Prozent der Strecke.

Wie viel Geld muss man noch investieren, um die restlichen 60 Prozent zu schaffen?
Noch einmal 20 bis 25 Millionen für den FC Sion und gegen 100 Millionen für das neue Stadion.

Bis jetzt haben Sie nur über das neue Stadion geredet. Wie weit sind sie damit?
Das Projekt ist zurzeit wegen Einsprachen der angrenzenden Priesterbruderschaft von Ecône blockiert. Die Finanzierung ist aber auch noch nicht gesichert.

Einige sagen, Sie seien grössenwahnsinnig.
Nicht einige, viele.

Trifft das zu?
Zu sagen, ich sei grössenwahnsinnig, ist einfach und gratis. Zu erklären, warum ich das sein soll, ist etwas anderes. Wer mich mag, sagt, Constantin sei ein Visionär. Wer mich aber nicht mag, sagt, Constantin sei grössenwahnsinnig. Ich betreibe das Fussballgeschäft nun einmal aus Leidenschaft. Als ich selber in Lugano spielte, fuhr ich oft nach Appiano Gentile, um zu sehen, wie Inter Mailand trainiert. Später fuhr ich nach Turin, um zu beobachten, wie sie bei Juventus arbeiten.

Träumen Sie ernsthaft davon, sich mit diesen Grössen eines Tages messen zu können?
Ich bin nicht so verwegen zu glauben, dass wir so werden können wie Inter oder Juventus. Aber natürlich können und müssen wir uns verbessern. Und der FC Sion ist ein Klub, der bewegt und interessiert.

Sehen Sie sich als Werbeträger für Sion?
Die Leute diskutieren heftig über mich im Internet. Das kümmert mich aber nicht.

Mögen Sie die Rolle des Provokateurs?
Ich verteidige nur meine Interessen. Das ist etwas anderes als Provokation.

Haben die Walliser nicht grundsätzlich das Gefühl, die halbe Welt sei gegen sie?
Ein Cupfinal in der Deutschschweiz, auf Kunstrasen . . . Ein Deutschschweizer Schiedsrichter . . . Wir Walliser haben viele Gründe, uns zu wehren. Das stachelt uns erst recht an. Unsere Fans waren dann auch viel lauter und besser als die von YB.

Vor dem Cupfinal gegen YB legten Sie gegen die Nomination von Schiedsrichter Claudio Circhetta einen sinnlosen Protest ein. Sie legen sich mit allen an, die Ihnen nicht passen.
Vielleicht denke ich nicht wie ein normaler Mensch. Ich hielt den Protest für angebracht. Ich wollte, dass er mir bestätigt, neutral zu sein.

Leiden Sie unter Verfolgungswahn?
Sie haben das Recht, so zu denken. Und Sie können mir vorwerfen, der FC Sion sei eine One-Man-Show. Mir ist das egal. Ich muss häufig als Schlagzeile herhalten.

Weil Sie polarisieren. Offensichtlich kämpfen Sie sehr gern. Ist das ein Markenzeichen des Wallisers?
Wir leben in einem Kanton an der Peripherie. Die Leute sind es gewohnt, zu kämpfen. Unsere Väter mussten jahrzehntelang hartes Brot essen. Beim Bau der Stauseen zur Elektrizitätsgewinnung haben sich hauptsächlich die Ingenieure aus der Deutschschweiz goldene Nasen verdienen. Erst seit 30 bis 40 Jahren geht es uns dank dem Tourismus besser.

Und darum eckt Constantin ständig an?
Die Walliser sind stolze Menschen. Das haben sie am Mittwoch wieder gezeigt. Der Cupsieg hat die Leute stolz gemacht. 15'000 Menschen, die uns mitten in der Nacht auf der Place de la Planta empfingen – wo sonst gibt es so etwas?

Der Trubel überraschte auch, weil der FC Sion kein FC Wallis ist. Er ist multikulturell.
Früher war es eine Weltreise, von Visp nach Genf zu gelangen. Heute fliegt man übers Weekend nach New York, das ist nichts Spezielles. Auch der Fussball und die Gesellschaft haben sich rasant entwickelt.

Und darum schwenken Sittener Fussballer heutzutage bei der Pokalübergabe nach dem Cupfinal die portugiesische, angolanische, kamerunische oder ägyptische Fahne.
Die gleichen Spieler haben auf der Place de la Planta ins Mikrofon gerufen: «Wir sind alle Walliser.» Das ist wunderbar. Für die Jungen von heute ist es ganz normal, dass Spieler aus aller Welt in Sion spielen.

Kennen die Jungen die Namen der Spieler?
Jeden. Wir sind heute nicht mehr in der Zeit der Bregys, Briggers und Cinas. Heute sind die Mannschaften international. Nur das garantiert den Erfolg.

So erfolgreich ist der FC Sion nicht. Sie sind Drittletzter in der laufenden Meisterschaft.
Es gibt zwei Pokale in der Schweiz. Einen davon haben wir gewonnen.

Kann man sagen, dass die Walliser Rebellen sind und sich immer gegen die Deutschschweiz auflehnen?
Man muss sich wehren. Ich werde immer für meine Interessen und das Wallis einstehen. Ich bin kein Cocktail-Typ, ich bin ein Kämpfer. Ich erinnere mich daran, wie ich das erste Mal zu einer Abstimmung ging. Ich fragte meinen Vater: «Für wen soll ich stimmen?» Er sagte: «Für die Schwächsten.»

Die Schwächsten sind in Ihrer Firma FC Sion die Trainer. Die haben es nicht lustig. Sie sind nicht sehr sozial, Herr Constantin.
«Sozial» bedeutet heute, den Unternehmern immer mehr Sozialabgaben aufzubürden und Leute durch grosszügige Sozialversicherungen zum Nichtstun zu animieren.

Erschrecken Sie selber nicht, wenn Sie die Liste mit 25 verbrauchten Trainern sehen?
Es waren nur etwa 19.

Das ändert nicht viel: 19 in knapp elf Jahren, das ist auch wahnsinnig.
Es ist viel, das ist richtig.

Und jedes Mal wählten Sie den Trainer.
Auch das stimmt.

Mit Christian Constantin sprachen Peter M. Birrer und Hubert Mooser in Martigny


Zur Person

Christian Constantin

Christian Constantin (52) ist gebürtiger Walliser. Er besitzt in Martigny ein Architekturbüro und beschäftigt 35 Angestellte.

Constantin ist zum zweiten Mal Präsident des FC Sion. Nach der ersten Amtsperiode (1992 bis 1997) führt er den Verein seit 2003 in Alleinregie – als Autokrat fällt er alle Entscheidungen eigenmächtig. In den insgesamt elf Präsidialjahren in Sion hat er, je nach Zählweise, zirka 25-mal den Trainer ausgewechselt.

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 Beitrag Verfasst: Samstag 23. Mai 2009, 10:11 
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Berner Zeitung, 23.05.2009

Krawalle am Cupfinal: «Klubs kennen schwarze Schafe»

Nach den Ausschreitungen am Cupfinal kritisiert Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) das Nein zu Videoüberwachung in Bern.

Herr Käser, wie sind Sie mit dem Polizeieinsatz rund um den Cupfinal zufrieden?
Hans-Jürg Käser: Im Rahmen der nicht optimalen gesetzlichen Möglichkeiten, die wir leider in der Stadt Bern haben, bin ich zufrieden.

Was meinen Sie damit? Welche gesetzlichen Möglichkeiten fehlen?
Etwa die Videoüberwachung. Der Berner Stadtrat hat diese abgelehnt. So ist es ganz generell viel schwieriger , die Hooligans zu eruieren und auch strafrechtlich zu verfolgen. In Rüschegg braucht es sicher keine Videoüberwachung. Doch hier in Bern sind an gewissen Hotspots unbedingt Kameras nötig, um gewalttätige Fans zu eruieren. In England funktioniert das mit der Videoüberwachung rund um Fussballspiele bestens.

Beim Cupfinal wären die Kameras ja noch nicht zur Verfügung gestanden. Dennoch: Eine Mehrheit im Stadtrat hat die Videoüberwachung letzte Woche abgelehnt. Erschwert dies der Polizei die Arbeit in Zukunft?
Ja, dieser Entscheid erschwert uns nicht nur die Arbeit, sondern gefährdet auch die Sicherheit der Bevölkerung.

Wie viel hat der Polizeieinsatz gekostet?
Der Polizeieinsatz ist im Rahmen des Ressourcenvertrages zwischen der Stadt Bern und der Kapo geregelt. Das heisst, die Stadt muss keine zusätzlichen Kosten tragen.

Wie viele Polizisten waren im Einsatz?
Aus polizeitaktischen Gründen geben wir diese Zahlen ganz generell nicht bekannt. Es ist aber offensichtlich, dass wir zusätzliche Polizisten aus anderen Kantonen haben beiziehen müssen.

Warum haben die Polizisten im Bahnhof die betrunkenen und randalierenden Chaoten nicht härter angepackt?
Diesen Vorwurf weise ich zurück. Die Beamten haben immerhin 60 Anhaltungen gemacht und gezielt Gummischrot eingesetzt. Leider muss ich vier verletzte Polizisten beklagen. Weil neben ihnen im Bahnhof Petarden gezündet wurden, haben sie einen Hörschaden erlitten. Und wegen der vielen Reisenden und Passanten konnten wir auf keinen Fall Tränengas einsetzen. Es ist doch so: Die Polizisten und Polizistinnen können machen was sie wollen, sie ernten meistens Kritik. An der unbefriedigenden Situation sind sicher nicht nur Politiker schuld...

...sondern?
Auch die Fussball- und Fanklubs sowie die Stadionbetreiber, die ihre Verantwortung nicht umfassend wahrnehmen.

Inwiefern?
Sie halten sich nicht an klar abgemachte Regeln mit der Polizei. Es darf einfach nicht sein, dass sich die Sion-Fans am Mittwoch im Bahnhof versammelten, obwohl die Abmachung bestand, dass sie sich auf der Schützenmatte treffen und von dort aus in einem Umzug zum Stade de Suisse ziehen würden. Und es darf nicht sein, dass vermummte Fans auf dem Marsch solche Petarden zünden und die Stimmung in der Stadt anheizen. Es sind immer kleine Gruppen von Hooligans, welche Auseinandersetzungen auslösen. Ferner bin ich unzufrieden mit der Stadioneingangskontrolle.

Müsste man diese Chaoten nicht isolieren?
Nicht nur isolieren, sondern vor, während und nach dem Match unter Arrest stellen. Diese gewaltbereiten Hooligans müssen endlich härter angepackt werden. Die Klubs kennen ihre schwarzen Schafe genau.

Gibt es für ein solches Vorgehen denn die rechtlichen Grundlagen?
Chaoten, die mit einem Stadionverbot belegt sind, können verhaftet werden, wenn man ihrer habhaft wird. Im Weiteren kann die Polizei erst dann zugreifen, wenn Straftaten begangen werden – um solche zweifelsfrei zu erkennen, wäre eben eine Videoüberwachung ein geeignetes Mittel.

Wie kann das Problem mit randalierenden Fussballanhängern aus Ihrer Sicht gelöst werden?
Für mich ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Das Problem kann nur durch schweizweite Massnahmen gelöst werden. Wir müssen alle am gleichen Strick ziehen. Ich werde mit den Verantwortlichen aller betroffenen Städte die Gespräche weiterführen. Und was mir ganz wichtig ist: Die Fussball- und Fanklubs sowie die Stadionbetreiber müssen endlich zu mehr Verantwortung gezwungen werden.

Wie soll das geschehen? Wie kann man denn die Vereine mehr in die Verantwortung nehmen?
Die Klubs tragen für ihre Fans eine Mitverantwortung. Somit muss der Schweizerische Fussballverband dafür sorgen, dass diese Verantwortung getragen wird.

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