Der Bund, 01.10.2009
«YB ist bei weitem die beste Mannschaft»Der FC Aarau ist Tabellenletzter und kämpft mit einem Haufen Problemen. Und ausgerechnet jetzt stellt sich Leader YB in den Weg. Trainer Jeff Saibene steht unter erheblichem Druck, bekommt aber Rückendeckung. Noch.
Die Situation des FC Aarau ist höchst ungemütlich, und weil er Niederlage an Niederlage reiht, steigt auch der Druck auf Trainer Jeff Saibene. Spekuliert wird bereits über seine baldige Ablösung, es werden auch Namen herumgereicht, aber in solchen Momenten interveniert Sportchef Fritz Hächler ziemlich energisch. «Wenn wir einen neuen Trainer suchen, erfährt das Saibene als Erster», betont Hächler. «Noch steht unsere Aussage: Bis zur Winterpause passiert nichts. Ich habe jedenfalls vom Verwaltungsrat noch keinen Auftrag erhalten, einen neuen Trainer für den FC Aarau zu suchen.»
Am Sonntag in Bern
Saibenes Zukunft soll auch nicht zwingend von der Partie in Bern abhängig gemacht werden – obwohl danach die Länderspielpause folgt und der Zeitpunkt für einen Wechsel günstig wäre. «Das ist schliesslich immer noch YB», sagt Hächler, der auch eine klare Meinung zu Namen hat, die als Nachfolger von Saibene gehandelt werden: «dummes Zeug». Um aber doch auch anzufügen: «Man weiss nie, was dieses Geschäft alles bringt.» Saibene, der frühere Thun-Trainer, versucht derweil, ruhig seine Arbeit zu verrichten.
Jeff Saibene, wie sehr beeinflusst es Ihre Arbeit, dass Sie gerüchteweise kurz vor der Entlassung beim FC Aarau stehen sollen?
Jeff Saibene: Die Lage ist unbefriedigend und ernst, das ist klar. Aber ich habe keinen Einfluss auf die Gedankengänge der Klubleitung. Wenn jemand denkt, ich sei schuld an der Situation, dann ist das halt so. Ich sehe Gründe für die vielen Probleme. Auf dem Transfermarkt haben wir spät gehandelt. Und als wir Spieler verpflichteten, hätten die sofort hundert Prozent Leistung abrufen sollen. Aber sie brauchen Zeit für die Integration. Und dann hatten wir Pech mit Verletzungen. Nur: Das bringt uns die Punkte, die wir abgegeben haben, nicht zurück. Wir haben erst fünf Zähler, das ist definitiv zu wenig.
Aarau hat erst 7 Tore erzielt, YB schon 26. Aarau hat dafür bereits 26 kassiert, YB erst 13. Der Zehnte spielt am Sonntag beim überragenden Ersten. Es deutet nicht unbedingt viel darauf hin, dass Sie mit Ihrer Mannschaft am Sonntag im Stade de Suisse einen Coup landen werden.
Um ehrlich zu sein, es spricht so gut wie nichts für uns, wenn man die nackten Zahlen betrachtet. YB ist derzeit bei weitem die beste Mannschaft der Liga, uns ganz sicher überlegen, aber auch vielen anderen. Trotzdem ist mir YB jetzt als Gegner lieber als Bellinzona, St.Gallen oder Sion daheim im Brüggli-feld.
Warum?
Weil von uns im Stade de Suisse nicht viel erwartet wird und genau das die Chance sein könnte. Ein positives Ergebnis könnte die Wirkung eines echten Befreiungsschlags haben. Ich erwarte und wünsche mir einfach, dass wir am Sonntag ein gutes Bild abgeben. Ich will einfach nicht, dass es heisst, der FC Aarau hätte in dieser Verfassung nicht in der Liga verloren. Die Zuschauer sollen den Eindruck erhalten: Doch, das ist eine Mannschaft, die sich nach Kräften wehrt und starke Gegenwehr geleistet hat.
Ist der FC Aarau wirklich so schlecht, wie es die Zahlen zum Ausdruck bringen?
Ich finde, wir sind ein bisschen unter Wert klassiert. Drei, vier Punkte hätten wir schon mehr verdient. Dann sähe die Situation nicht so schlimm aus.
Was gibt Ihnen die Zuversicht, aus dem Keller zu finden?
Wir haben in dieser Saison nicht oft richtig enttäuscht, ausser gegen GC in der zweiten Halbzeit und gegen Bellinzona eine halbe Stunde. Aber gegen Basel verlieren wir in der 93.Minute, oder gegen Luzern werden wir für unsere Aufholjagd nicht belohnt.
Beim 0:3 gegen YB im Brügglifeld...
...waren wir einfach deutlich unterlegen. Da haben wir unmissverständlich aufgezeigt bekommen, dass die Young Boys über ein ganz anderes Potenzial verfügen als wir.
http://www.derbund.ch/zeitungen/sport/Jeff-Saibene-Lieber-YB-als-Bellinzona/story/21034413