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 Beitrag Verfasst: Sonntag 30. Juli 2017, 22:17 
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GC-Trainer Carlos Bernegger

«Ich hoffe, dass ich der Richtige bin»

GC-Trainer Carlos Bernegger glaubt trotz dem 0:4 gegen YB an sein Team. Aber die Nervosität nach der zweiten Niederlage in der neuen Saison steigt.

Das vergiftete Lob an diesem Abend kam vom YB-Trainer Adi Hütter: Er müsse GC ein Kompliment machen, sagte er nach dem Spiel. Hütter vergass zwar zu erwähnen, wofür – aber vermutlich meinte er es ehrlich oder zumindest freundlich. Für die Grasshoppers aber musste es klingen, als wolle sie Hütter hochnehmen. Dass ihnen nach einem 0:4 noch geschmeichelt wurde, musste unerträglich für sie sein. Denn der Sieg der Young Boys kam spielerisch leicht zustande, fast ohne Anstrengung.

Wirklich überraschen kann GC der Fehlstart nicht. Der Sportchef Mathias Walther hat auf die Schnelle eine Mannschaft von Aussortierten zusammengestellt, die weder mental noch körperlich bereits bereit sein kann. Eine zentrale Frage, die sich die Führung gefallen lassen muss, ist diese: Weshalb hat man Walther nicht viel früher eingestellt als erst Mitte Mai? Inzwischen ist er nicht nur damit beschäftigt, neues Personal zu rekrutieren, sondern mindestens ebenso sehr, Spieler loszuwerden. Das Kader ist mit 28 Fussballern zu gross, aber welche Klubs interessieren sich für die Spieler, die GC nicht mehr will?

Wie sehr sich die Grasshoppers in kurzer Zeit in den Extremen bewegen, zeigt ein Blick auf die letzte Saison: Damals gab der GC-Trainer Pierluigi Tami zu bedenken, das Kader sei zu klein; nun wirkt es aufgebläht. Und es gibt weitere Ungereimtheiten: Offiziell besteht die Klubpolitik immer noch darin, den Nachwuchs zu fördern. Aber gegen YB stand nur ein einziger eigener Junior im Kader. Der Trainer Carlos Bernegger äusserte sich nach dem Spiel gegen die Young Boys zur schwierigen Situation.

Carlos Bernegger, nach zwei Spielen, 0 Punkten und 0:6 Toren muss man sagen: Den Grasshoppers ist der Saisonstart komplett missglückt.

Das Resultat gegen die Young Boys lässt nicht viel Interpretationsspielraum, das stimmt. Aber ich finde trotzdem, dass wir einiges schon besser gemacht haben als gegen den FC Zürich. Doch das darf ich nach einem 0:4 nicht zu sehr betonen. Wenn man nur die Ergebnisse ansieht, habe ich keine Chance. Ich will nichts beschönigen. Sonst heisst es, ich sei ein Bluffer.

An der Pressekonferenz nach dem YB-Spiel sagten Sie, einige Spieler hätten nie zusammen trainiert. So wird es schwierig, erfolgreich Fussball zu spielen.

Ja, aber dafür zu sorgen, ist mein Job. Die Spieler haben Entwicklungspotenzial, sie haben Lust zu lernen. Das stimmt mich zuversichtlich.

GC hat inklusive der letzten Saison siebenmal in Serie nicht mehr gewonnen.

Das ist die Gefahr: dass man mit der letzten Saison vergleicht, als es auch nicht gut lief. Das ist unangenehm.

Der Verein hat in sehr kurzer Zeit viele neue Spieler verpflichtet, die meisten kommen aus schwierigen Situationen. GC ist mit dieser Strategie ein hohes Risiko eingegangen.

Das ist so. Aber es gibt auch die wirtschaftliche Seite des Vereins. Als Trainer bin ich verpflichtet, dafür Verständnis zu haben. Auch wenn das meinen Job sehr schwer machen kann.

«Ich sehe Fortschritte, aber wenn die Ergebnisse nicht kommen, steigen die Spannung und die Nervosität.»

Wie meinen Sie das genau?

Ich sehe Fortschritte, aber wenn die Ergebnisse nicht kommen, steigen die Spannung und die Nervosität.

Wir nehmen an, die Vereinsführung hat Ihnen versprochen, Ruhe zu bewahren, wenn der Start holprig werden sollte. Weil sie weiss, dass der Umbruch Zeit brauchen wird.

Ja.

Aber?

Man kennt ja die Gesetze im Fussball. Ich hoffe, dass ich der Richtige bin, der die Mannschaft ins Rollen bringen kann.

Wie lange könnte das dauern?

Man sagt, eine Mannschaft benötige fünf bis sieben Spiele, um sich einzuspielen. Das gilt für Teams, die nur wenig verändert worden sind. Bei uns wird der Prozess vermutlich länger dauern.

Sind Sie der Meinung, dass das Kader mit 28 Spielern zu gross ist?

Warten wir einmal ab. Die Kaderzusammenstellung ist nicht zu Ende.


https://www.nzz.ch/sport/fussball/grass ... ld.1308590

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 30. Juli 2017, 22:21 
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Schmerzen für von Ballmoos, Selbstvertrauen für Wölfli

Der YB-Stammkeeper erlitt eine Risswunde am Schienbein, Routinier Wölfli ersetzte ihn tadellos.

Und plötzlich fühlte man sich bei YB in der Zeit zurückversetzt. Es lief die 38. Minute, die Berner führten bei GC mit 1:0, als ein alter Bekannter das Feld betrat. Die Fans skandierten seinen Namen, er spuckte in die Handschuhe, kurz mal dehnen, und los gings. Es ist ja nicht so, als wüsste Marco Wölfli nicht, was er da tut, aber die Ernstkämpfe des bald 35-Jährigen sind seltener geworden. Letzte Saison waren es drei, zweimal im Cup, in den ersten beiden Runden, und einmal in der Meisterschaft, im Derby gegen Thun.

Wölfli ersetzte am Samstagabend den verletzt ausgeschiedenen David von Ballmoos. Der Emmentaler erlitt nach einem schmerzhaften Rencontre mit GC-Verteidiger Lavanchy eine tiefe Wunde am Schienbein und wurde umgehend ins Spital zum Nähen gefahren. Ein Einsatz am Mittwoch im Qualifikations-Rückspiel zur Champions League gegen Dynamo Kiew ist ungewiss.

Das würde auch bedeuten, dass Marco Wölfli weiter zum Zug käme. Der Routinier liess sich in seiner 348. Super-League-Partie gar nichts zu Schaden kommen, intervenierte in zwei, drei gefährlichen Situationen souverän und trug seinen Anteil dazu bei, dass YB nach dem 4:0 bei GC in der Meisterschaft noch mit dem makellosen Torverhältnis von 6:0 dasteht. «Ich habe immer gesagt, ich will helfen, wo es geht», sagte der selbstlose Wölfli später, «jetzt war es mal wieder auf dem Feld, sonst halt eher abseits davon.»

Dem jungen von Ballmoos wünschte er eine rasche Genesung. Mit einem Riss der Achillessehne erlitt Wölfli 2014 selbst eine – ungleich schwerere – Verletzung, nach der er nie mehr als Nummer 1 ins YB-Tor zurückkehrte. Die damalige Führung entschied sich, voll auf den jungen Yvon Mvogo zu setzen. Es war der Beginn des Aufstiegs, welcher in diesem Sommer fürs Erste in einem Wechsel Mvogos in die Bundesliga, zu RB Leipzig, gipfelte.


http://www.derbund.ch/sport/fussball/Sc ... y/10043769

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 30. Juli 2017, 22:22 
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Impulse aus der Umkleide

Bei YB sitzt auch der zweite Anzug perfekt: Nach diversen Rotationen gewinnen die Berner bei GC mit 4:0 und warten optimistisch aufs Rückspiel gegen Kiew.

Die Konturen zeigen sich erstaunlich früh. Man kann Leonardo Bertone zuhören, dem Mittelfeldspieler von YB, der letzte Saison 30 von 36 Meisterschaftspartien absolviert hat, sich zum Auftakt gegen Basel und beim Kampf um die Champions League gegen Kiew auf der Bank wiederfand und nun, am Samstagabend im Letzigrund, trotzdem strahlt wie ein Maikäfer.

Oder man kann sich mit Christian Fassnacht unterhalten, der eben zwei Tore und ein Assist zum 4:0 über GC beigesteuert hat und sich kurz mal sprichwörtlich kneifen muss, weil er vor drei Jahren noch auf dem Sportplatz Etzliberg in Thalwil auflief, gegen Wettswil und Höngg, gegen Mendrisio und Balzers.

Die neue Saison ist erst neun Tage alt, die Young Boys haben gerade mal drei Partien absolviert, und doch kann man als Betrachter gut nachvollziehen, was die Verantwortlichen gemeint haben, als sie noch während der Vorbereitung sagten, was Verantwortliche eines Sportclubs während der Vorbereitung eben so zu sagen pflegen. «Wir haben Spieler geholt, die zu uns passen», sagte Sportchef Spycher. «Die Mischung stimmt, wir sind stärker besetzt als letztes Jahr», urteilte Trainer Hütter.

Nun, nach dem umjubelten 2:0 gegen Meister Basel, dem durchzogenen 1:3 bei Dynamo Kiew und dem souveränen 4:0 gegen die Grasshoppers, nehmen diese Aussagen Konturen an, erhalten diese Andeutungen Gesichter. 18 Fussballer sind bei den Young Boys bislang zum Zug gekommen, alleine zwischen den beiden Auftritten in der Meisterschaft gab es fünf Wechsel, und doch hinterliess das Team sowohl beim Startsieg gegen Basel als auch beim Erfolg gegen GC einen sehr gefestigten Eindruck und ist mit sechs Punkten und 6:0-Toren Leader.

Damit es erwähnt ist: GC war am Samstagabend ein erschreckend schwacher Gegner, der spielerisch-aktive Betrieb beschränkte sich auf etwa zehn Minuten zu Beginn jeder Halbzeit. Die Young Boys aber wirkten, als würden sie schon monatelang in dieser Besetzung zusammenspielen.

Vorne kreuzten Debütant Nsamé und Wirbelwind Assalé die Laufwege mit traumwandlerischer Sicherheit, auf links bildeten Lotomba bei seiner Startelf-Premiere und Fassnacht ein starkes Duo, und in der Mitte bedienten Sow und Bertone zum ersten Mal gemeinsam von Beginn weg die YB-Zentrale und liessen sich genau das in keiner Weise anmerken.

Fassnacht, der gefragte Mann

Nach dem frühen Tor von Fassnacht nach Flanke Lotombas (15.) hing die Partie lange zumindest resultatmässig etwas in der Schwebe. Doch in Durchgang zwei wurde der schwache GC-Widerstand bereits im Ansatz gebrochen: Ein Eigentor von Vilotic, das erste Super-League-Tor von Nsamé und der zweite Streich von Fassnacht – der deutliche Auswärtssieg war eingefahren, mit dem klaren Matchwinner Christian Fassnacht.

Es wird nun klar, was Sportchef Spycher gemeint hat, als er über den Zürcher vor der Saison sagte, das sei einer, der auch ohne Ball am Fuss ein «herausragender Typ» sei. Von einem Luftduell mit Vilotic trug Fassnacht am Samstag eine Platzwunde davon, spielte die Partie mit Kopfverband weiter. Dem Fernsehen musste Fassnacht nach seiner überzeugenden Vorstellung lange Red und Antwort stehen, das Blut sickerte aus der notdürftig versorgten Wunde immer mehr wieder hervor, und trotzdem stellte sich der 23-Jährige fast eine halbe Stunde nach Spielschluss noch minutenlang der restlichen Presse.

Fassnacht kriegte sein Grinsen kaum mehr aus dem Gesicht, er ist ein authentischer, gewinnender Typ, der nach drei Toren in drei Spielen mit den Schultern zuckt und sagt: «Tja, in Thun war ich noch ein Chancentod.» Der spielfreudige, schussstarke Rechtsfuss wurde einst in der U-16 des FC Zürich aussortiert und lancierte seine Karriere über den Amateurfussball neu – ein Weg, den man etwa vom heutigen Basel-Flügel Renato Steffen (einst in Aarau für zu leicht befunden) kennt.

Hütter war es eine Freude

Fassnacht, Nsamé, Lotomba – die Protagonisten des YB-Siegs am Wochenende stehen für die umsichtige, vermehrt auch lokal verankerte Transferpolitik der Young Boys vor dieser Saison. Der makellose Einsatz von Wölfli (für den verletzten von Ballmoos) und Bertone passten vorzüglich zu diesem zweiten Anzug, in dem die Young Boys am Samstag so stilsicher auftraten, dass sich sogar YB-Schneider, pardon, Trainer Adi Hütter unsicher ist, wer überhaupt zur ersten und wer zur zweiten Garnitur gehört. «Es war mir eine Freude anzusehen, wie frisch wir trotz des Auftritts unter der Woche waren», sagte Hütter, «das spricht für unseren Kader.»

Am Mittwoch empfangen die Berner im Rückspiel um den Einzug ins Champions-League-Playoff Dynamo Kiew. Auch die Ukrainer siegten in der Meisterschaft hoch, mit 5:0 zu Hause gegen Karpati Lwiw. Es wird interessant zu beobachten sein, wer aus dem Erfolgserlebnis vom Wochenende mehr Schwung mitnehmen kann. Und in welchem Anzug YB erscheint.


http://www.derbund.ch/sport/fussball/Im ... y/30936026

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 30. Juli 2017, 22:24 
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Freie Fahrt für die Young Boys

Marco Wölflis Rückkehr ins Tor gehört zur Geschichte des 4:0-Siegs der überzeugenden Young Boys beim inferioren GC.

Es ist eines von vielen interessanten Ereignissen an diesem Abend in Zürich. Kurz vor der Pause muss YB-Goalie David von Ballmoos verletzt ausgewechselt werden, nachdem er von GC-Verteidiger Numa Lavanchy am Schienbein getroffen worden war.

Die Wunde ist tief, und der Schmerz bei von Ballmoos gross, er wird im Sanitätsmobil aus dem Stadion gefahren und noch in Zürich im Spital behandelt. Ersetzt wird von Ballmoos durch Marco Wölfli, den langjährigen Torhüter der Young Boys, der mit einem ebenfalls tadellosen Auftritt mithilft, den 4:0-Sieg sicherzustellen.

Wölflis Sozialkompetenz

Marco Wölflis Rolle bei YB hat sich verändert, daran wird sein 348. Super-League-Einsatz nichts ändern. Der 34-Jährige ist längst der Mentor talentierter Keeper, zuerst von Yvon Mvogo, heute von von Ballmoos. In den 1329 Tagen vor der Partie am Samstag bestritt Wölfli nur vier Ligapartien, es waren meistens Geschenke am Ende einer Saison.

Am 8. Dezember 2013 hatte er sich bei einer Partie in Thun schwer verletzt, Mvogo rückte nach, setzte sich durch, wechselte in diesem Sommer zu RB Leipzig. An jenen Tag in Thun habe er nicht gedacht, als er sich kurz an der Seitenlinie aufgewärmt habe, sagt Wölfli. «Es ging alles so schnell. Und vor allem bin ich froh, dass David nicht schlimm verletzt ist.»

Diese Worte unterstreichen die Sozialkompetenz des Routiniers, der ins zweite Glied rücken wird, sobald von Ballmoos einsatzfähig ist. Am Sonntag liess sich nicht abschätzen, ob der 22-Jährige übermorgen im Rückspiel der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League gegen ­Kiew (Hinspiel 1:3) dabei sein kann. Sonst kehrt Wölfli auf grosser Bühne ins Stade de Suisse ­zurück.

Beim souveränen, stilsicheren Auftritt im Letzigrund gegen GC demonstrierten die Young Boys die Breite ihres Kaders. Trainer Adi Hütter schonte ein paar Stammspieler, dennoch waren die Gäste in allen Belangen überlegen, versäumten es aber vor der Pause, mehr als nur das Tor Christian Fassnachts zu erzielen.

Klägliches GC

Der Grasshopper-Club hinterliess einen inferioren Eindruck. Das Kader ist miserabel zusammengestellt, die neu formierte Truppe war gegen YB überfordert, nur in den ersten Minuten nach der Pause hielt GC mit.

Das Eigentor Milan Vilotics zum 0:2 beendete das kurze Aufbäumen des Rekordmeisters. «Wir haben nicht schlecht gespielt», behauptet Captain Vilotic. Und: «Ich nehme die Niederlage auf mich, nach meinem Eigentor war das Spiel entschieden.» Das ehrt den teuersten YB-Fussballer der Geschichte, der letzte Saison von Hütter in Bern aussortiert worden war, entspricht aber nicht der Wahrheit.

Vilotic ist zumindest eine Figur, der Grossteil des Teams besteht aus drittklassigen Ausländern, die anderswo gescheitert sind. Den Grasshoppers fehlt es an einem Konzept, an Talent und Geld, einem Stadion und einer Perspektive. Mit zwei Niederlagen und 0:6 Toren liegt der Klub am Tabellenende. Genau umgekehrt sieht es bei YB aus, die Siege gegen Basel (2:0) und bei GC (4:0) haben die Euphorie ­gesteigert, die konzentrierten, schwungvollen, dominanten Young Boys gefielen am Samstag.

Dynamo Kiew siegt höher

Der 18-jährige Jordan Lotomba als Linksverteidiger sowie Stürmer Jean-Pierre Nsamé gaben gegen GC starke Debüts. Lotomba bereitete das 1:0 vor, Nsamé schoss das 3:0 und assistierte beim 4:0 Fassnachts. Am Mittwoch gegen Kiew wird die Gegenwehr grösser sein. Die in Zürich geschonten Guillaume Hoarau und Loris Benito werden bestimmt dabei sein, vermutlich auch die angeschlagenen Miralem Sulejmani und Sékou Sanogo.

Dynamo Kiew schonte am Samstag gegen Karpaty Lemberg übrigens ebenfalls Stammkräfte, das 19-jährige Talent Viktor Tsygankow schoss drei Tore. Und nebenbei gewann Kiew dank des 5:0-Siegs auch das Wettschiessen gegen YB.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/22414631

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 30. Juli 2017, 22:25 
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YB: Tore, Turbane, Träume

YB-Aufsteiger Christian Fassnacht brilliert beim 4:0-Sieg der Young Boys in Zürich gegen GC. Auch wegen seiner erfrischenden Art ist er ein Gewinn für YB.

Es gibt Fussballbilder, die sind für die Ewigkeit. Und manchmal schreiben sogar Turbane Fussballgeschichte. Wie 1982, als Bayerns Dieter Hoeness nach einem Zusammenprall stark blutete, dank Verband um den Kopf weiterspielen konnte – und später sogar ein Kopfballtor schoss. Das Satiremagazin «Titanic» schrieb: «Auch Männer haben ihre Tage».

35 Jahre später erlebt Christian Fassnacht am Samstagabend in Zürich gegen GC seinen aufregenden Turbantag. Kurz nach der Pause prallt er heftig mit dem früheren YB-Spieler Milan Vilotic zusammen. Die Wunde oberhalb des linken Auges wird verarztet, Fassnacht erhält einen schicken, passenden gelben Turban, lässt sich nicht beirren und führt die Young Boys zum 4:0-Sieg.

Mit Kopfschmuck leitet der 23-Jährige das 3:0 durch einen herrlichen Pass auf Jean-Pierre Nsamé ein, später trifft er mit elegantem Heber zum 4:0 und zum zweiten Mal in dieser Partie, nachdem er vor der Pause das 1:0 schoss.

Im Ansatz einer wie Frey

Nach der Begegnung ist Christian Fassnacht gefragt in TV-Studios und bei den Journalisten. Der Turban ist rot eingefärbt, eine schmale Blutspur rinnt durchs Gesicht, in dieser Aufmachung könnte man problemlos an jede Fasnachtsveranstaltung gehen. Es ist ein aussergewöhnlicher Abend für Fassnacht, dem die Freude über die gelungene Darbietung anzumerken ist. «Es läuft uns toll», sagt er, «und für mich ist das alles wie ein Traum.»

Es ist angenehm, mit einem medial nicht abgeschliffenen Fussballer wie Fassnacht zu sprechen. Er ist – zumindest im Ansatz – ein würdiger Ersatz des zum FCZ abgewanderten Spontanredners Michael Frey. Einmal sagt er: «Ich habe natürlich Glück, weil Miralem Sulejmani verletzt ist. Sonst hätte ich vielleicht nicht gespielt.» Und später meint der einst bei den U-16-Junioren des FC Zürich aussortierte Offensivspieler: «Das kommt mir alles ein wenig unwirklich vor.»

Bergfahrt vom Etzliberg

Im Rekordtempo hat sich Christian Fassnacht bei YB etabliert: Tor am Mittwoch in Kiew, Galavorstellung am Samstag bei GC. Trainer Adi Hütter lobt den Sommerpausenzugang, beschreibt ihn als «jung, schnell, dynamisch, entwicklungsfähig». Es sind die Schlagworte, die das neue YB auszeichnen sollen. Auch im Letzi­grund unterstreicht Fassnacht, warum er das Musterbeispiel der Vereinsphilosophie darstellt. «Er kann für uns in dieser Saison sehr wichtig sein», sagt Hütter.

Aufsteiger der Startwoche ist Fassnacht schon mal. Sein dorniger Weg zu einem nationalen Topklub über Thalwil, Tuggen, Winterthur, Thun ist auch in Zürich ein Thema. «Es ist krass», sagt Fassnacht. «Vor ein paar Jahren spielte ich noch vor 200 Zuschauern auf dem Etzliberg, zuletzt in einem so grossen Stadion in Kiew.» Der Sportplatz Etzliberg, das muss man möglicherweise erklären, liegt in der Gemeinde Thalwil.

«Ich war ein Chancentod»

Christian Fassnacht ist ziemlich weit oben in der Super League angekommen. Und erschrickt ab und zu selber ein bisschen über seine Entwicklung. «Es freut mich, war ich heute so effizient», sagt er am Samstagabend, «beim FC Thun war ich ja ein ziemlicher Chancentod.»

10 Tore gelangen ihm immerhin letzte Saison für die Thuner. Beobachter des Klubs versichern glaubhaft, es hätten bei angemessener Verwertung der Möglichkeiten problemlos auch 20 bis 25 Treffer sein können. Beim zweiten Tor gegen GC war das Selbstvertrauen Fassnachts zu spüren. «Ich freue mich, das nochmals am TV anzuschauen», sagt er schmunzelnd.

Einige Vereine werden sich ärgern, das Potenzial Fassnachts nicht erkannt zu haben. Nicht nur der FCZ, sondern auch Luzern und GC und andere Super-League-Klubs, die den Zürcher für rund eine Viertelmillion Ablösesumme von Winterthur hätten verpflichten können. Sie verzichteten, Thuns Sportchef Andres Gerber schlug zu. Und heute profitieren wieder die Young Boys von den Schnäppchenjägerqualitäten Gerbers. Wie einst bei Renato Steffen. Man darf gespannt sein, wohin die Reise Fassnachts noch führen wird.

Als alles gesagt ist im Letzi­grund und die Teamkollegen längst geduscht sind, taucht Sportchef Christoph Spycher auf und ruft Fassnacht zu: «Los, los, die medizinische Abteilung wartet.» Die Wunde an der Stirn muss noch mal gepflegt und genäht werden. YB braucht Christian Fassnacht übermorgen gegen Dynamo Kiew ­wieder.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/30304770

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